Wasserstoffautos: Nachteile, Vorteile und alles, was Du wissen musst

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Geht es in den Medien um Wasserstoffautos, so werden diese wie Elektroautos als extrem umweltfreundlich angepriesen. Aber sind sie das wirklich? Wo liegen die Nachteile? Und die Vorteile?

Vorteile, Nachteile und Wissenswertes: Wasserstoffautos sind die Autos der Zukunft?

Allein Blick auf die Preise für Wasserstoffautos lässt Nachteile vermuten. Diese liegen im hohen fünfstelligen Bereich. Der Toyota Mirai im Format einer Mercedes E-Klasse kommt mit Preisen ab 78.000 Euro daher. Ganz zu schweigen von den Kosten für den Wasserstoff, der rund 9,50 Euro pro Kilo kostet.

Dafür ist die Reichweite des Fahrzeugs allerdings auch mit einer Tankfüllung (ca. 5 kg) mit knapp 450 Kilometern angegeben. So weit kommen Elektroautos mit einer Akkuladung Strom leider nicht. Wer sich von den hohen Kosten nicht abschrecken lässt, kann den Finanzierungsrechner für den Autokredit nutzen und dann entscheiden, ob er oder sie sich das Auto, eher mit Wasserstoff-Technik oder als Batterie-basiertes Fahrzeug zulegen wird.

Video: Wie attraktiv ist das Wasserstoffauto? | Gut zu wissen | BR | Doku

Die Technik der Wasserstoffautos

Eigentlich sind auch Wasserstoffautos Elektroautos, denn sie besitzen ebenfalls einen Elektromotor. Nur der Antrieb unterscheidet sich, denn beim Wasserstoffauto wird eine Brennstoffzelle eingesetzt. Diese erzeugt eine chemische Reaktion zwischen Sauerstoff und Wasserstoff, dabei entsteht Strom. Mit diesem Strom kann das Auto angetrieben werden. Die Reichweite ist je nach Fahrzeug unterschiedlich.

Aus dem Auspuff kommen keine herkömmlichen Abgase, sondern Wasserdampf, der emissionsfrei verdampft. Wer hier allerdings Vorteile sieht, ist auf dem Holzweg, denn der Wasserstoff, mit dem das Auto betrieben wird, entstammt fossilen Ressourcen wie Erdöl, Kohle oder Erdgas. Die Umweltbilanz der Brennstoffzelle ist damit bei Weitem nicht so gut wie gedacht.

Mittlerweile gibt es verschiedene Modelle der Wasserstoffautos, die dem Energiekonzept der Bundesregierung technisch folgen sollen.

Beispiele sind:

  • der Toyota Mirai,
  • der Hyundai Nexo oder
  • der ix35 Fuel Cell aus gleichem Hause.

Der Honda Clarity ist ebenfalls erhältlich, allerdings nicht in Deutschland. Mercedes arbeitet auch an Wasserstoffautos und baut auf Wunsch den GLC F-Cell. Insgesamt sieht die Modellvielfalt daher noch mau aus, dafür sind die Preise für diese Fahrzeuge deutlich höher angesiedelt. Der Grund liegt in den hohen Entwicklungskosten, denn ein Antriebssystem, das auf Wasserstoff baut, kostet mindestens 45.000 Euro. Dann kommt noch das „Drumherum“ dazu und schon liegen die Preise sehr hoch.

Auch Elektroautos haben nicht nur Vorteile, dasselbe gilt für Wasserstoffautos.  ( Foto: Shutterstock-Alexander Kirch )

Auch Elektroautos haben nicht nur Vorteile, dasselbe gilt für Wasserstoffautos. ( Foto: Shutterstock-Alexander Kirch )

Wasserstoffautos haben Vorteile? Nachteile sind inbegriffen!

Auch Elektroautos haben nicht nur Vorteile, dasselbe gilt für Wasserstoffautos. Auch diese überzeugen nicht gänzlich und haben zahlreiche Nachteile. Was logisch ist – natürlich haben Wasserstoffautos Nachteile! Immerhin benötigen sie für die Herstellung des Wasserstoffs und für die Arbeit der Brennstoffzelle Strom.

Zuerst die Vorteile auf einen Blick

  • emissionsfreie Verbrennung
  • schnelle Aufladung möglich
  • hohe Reichweite
  • nicht kälteanfällig
  • rechtlich Elektroautos gleichgestellt
  • müssen keine Umwelt-Fahrverbote hinnehmen

Dennoch zeigen Wasserstoffautos Nachteile:

  • Wasserstoff muss unter Aufwendung von Strom hergestellt werden
  • geringe Tankstellenabdeckung in Deutschland
  • Strom wird mithilfe fossiler Energien hergestellt
  • hohe Anschaffungskosten
  • Technik nicht vollends ausgereift
  • geringe Modellauswahl
Wasserstoff kommt nicht natürlich vor und braucht einen fossilen Brennstoff, um die chemische Reaktion in der Brennstoffzelle auszulösen.   ( Foto: Shutterstock- Grzegorz Czapski )

Wasserstoff kommt nicht natürlich vor und braucht einen fossilen Brennstoff, um die chemische Reaktion in der Brennstoffzelle auszulösen. ( Foto: Shutterstock- Grzegorz Czapski )

Die Nachteile der Wasserstoffautos liegen vor allem in der Umweltverträglichkeit. Diese wird gern beschönigt und auch der Verkehrsminister Scheuer ist der Meinung, dass Wasserstoff als Exportgut gehandelt werden soll. Doch das ist zu kurz gedacht, wie Kritiker anmerken.

Wasserstoff kommt nicht natürlich vor und braucht einen fossilen Brennstoff, um die chemische Reaktion in der Brennstoffzelle auszulösen. Dieser fossile Brennstoff wird sogar in hohen Mengen benötigt. Wer die Vorteile anhand dessen beurteilt, was aus dem Auspuff kommt, mag Recht haben. Dennoch haben Wasserstoffautos Nachteile, die nicht von der Hand zu weisen und vor allem nicht zu beschönigen sind.

Warum Wasserstoffautos Nachteile haben, zeigt sich überdies bei der Betrachtung der Tankstellenabdeckung. In Österreich sind es gerade einmal fünf Tankstellen, in Deutschland weniger als 40. Natürlich sagt die Bundesregierung, dass das Tankstellennetz für Wasserstoffautos ausgebaut werden soll.

Doch bis es soweit ist, stellen diese Fahrzeuge keine echte Alternative dar und gelten nicht gerade als zukunftsfähig. Es dürfte schwer werden, von einer Tankstelle zur nächsten zu kommen, wenn die Reichweite des Autos weniger als 500 km beträgt. So bleibt es denn dabei: Die Nachteile der Wasserstoffautos müssen derzeit noch hingenommen und gewandelt werden, ehe diese Technik tatsächlich alltagstauglich wird.

Aller Nachteile zum Trotz: Die Bundesregierung fördert Wasserstoffautos

Auf ihren Seiten sind zahlreiche Informationen zu Förderprogrammen der Bundesregierung zu finden. Hier lässt man sich auch durch einen schleppenden Verkaufsstart nicht entmutigen und setzt mit Förderprogrammen auf alternative Antriebe.

Video: Wasserstofftechnologie – zu Unrecht in der Nische | Panorama 3 | NDR

Forschung und Entwicklung werden gefördert

Die Bundesregierung hat beschlossen, dass Wasserstoffautos mit einem Förderprogramm bis 2026 gestützt werden sollen. Dabei werden rund 250 Millionen Euro investiert, um die Forschung und Entwicklung voranzutreiben. Damit soll das Endprodukt „Wasserstoffauto“ wettbewerbsfähig werden, zudem ist die Förderung dazu gedacht, vorhandene Tankstellen weiter auszubauen.

Die entsprechenden Förderanträge konnten noch bis 2016 gestellt werden. Bislang muss allerdings festgehalten werden, dass sich nicht allzu viel getan hat und Wasserstoffautos Nachteile haben und behalten. Einst hieß es, dass eine Mobilitätsrevolution im Gange sei – davon ist derzeit nicht allzu viel zu spüren. Und das, obwohl sich rund 500 Unternehmen am ersten Förderprogramm der Bundesregierung beteiligt hatten!

Doch noch immer ist die zugrunde liegende Technologie zu teuer, die Brennstoffzellen sehr aufwendig. Die Kosten liegen weiterhin zu hoch und Deutschland muss weiter investieren, um einen international haltbaren Standard zu erreichen.

Die Förderprogramme der Bundesregierung zielen also vor allem darauf ab, die bekannten Nachteile der Wasserstoffautos zu reduzieren, was letzten Endes auch die Kosten nach unten korrigieren könnte.  ( Foto: Shutterstock-Grzegorz Czapski  )

Die Förderprogramme der Bundesregierung zielen also vor allem darauf ab, die bekannten Nachteile der Wasserstoffautos zu reduzieren, was letzten Endes auch die Kosten nach unten korrigieren könnte. ( Foto: Shutterstock-Grzegorz Czapski )

Daran muss die Forschung arbeiten

Die Förderprogramme der Bundesregierung zielen also vor allem darauf ab, die bekannten Nachteile der Wasserstoffautos zu reduzieren, was letzten Endes auch die Kosten nach unten korrigieren könnte. Dann wiederum würden sich mehr Abnehmer finden und die Herstellungs- und Entwicklungskosten könnten weiterhin sinken.

Das größte Problem ist, dass Wasserstoff flüchtig und hoch entzündlich ist. Daher gibt es ein gewisses Misstrauen seitens der Bevölkerung. Dabei sind Wasserstoffautos gar nicht so gefährlich, hier fehlt es eher an Aufklärung einer breiten Masse als an einer neuen Technologie.

Weitaus kritischer zu betrachten sind die Nachteile, die sich mit dem Einsatz der fossilen Brennstoffe zur Herstellung des nötigen Wasserstoffs befassen. Die Nutzung dieser Brennstoffe verschlechtert die Ökobilanz der Wasserstoffautos wieder, sodass sie nur noch rund 25 Prozent besser sind als benzinbetriebene Fahrzeuge. Immerhin, mögen viele Leute sagen, anderen ist das längst nicht genug und der Ruf nach weiterer Forschung und Entwicklung wird immer lauter.

Angesichts dessen, dass immer noch Tankstellen fehlen, geht wohl Mercedes mit seinem Hybrid den richtigen Weg. Dieser kann notfalls auch über die heimische Steckdose geladen werden, wenn gerade einmal kein Wasserstoff zur Hand ist. Wem allerdings das Beladen von Elektroautos bereits suspekt ist, wird sich kaum einen solchen Hybrid leisten, der darüber hinaus noch teuer in der Anschaffung ist.

Die Forschung muss demnach nach Kräften versuchen, die verwendete Technologie sauberer werden zu lassen und gleichzeitig die Preise zu senken. In der bis jetzt vorliegenden Form wird den Wasserstoffautos keine allzu große Zukunft vorausgesagt.

Video: Das Duell: Wasserstoff vs. Elektro I GRIP

Häufige Fragen zu Wasserstoffautos

Haben Wasserstoffautos Zukunft?

Wasserstoffautos haben nur theoretisch Zukunft. Praktisch müssen noch viele Dinge geändert werden. Wasserstoff verbrennt sauber und kann mit Wind- oder Sonnenenergie frei von CO2 erzeugt werden. Bisher hat die Technik dennoch keine Zukunft, weil sie zu teuer ist. Ein normaler Verbraucher kann sich solche Autos meist nicht leisten. Erst dann, wenn die Entwicklung der Wasserstoffautos billiger wird und es zu größeren Abnahmemengen kommt, könnte sich die breite Masse der Bevölkerung derartige Fahrzeuge leisten.

Warum sind Wasserstoff Autos so teuer?

Dass Wasserstoff Autos so teuer sind, liegt vor allem am verwendeten Edelmetall Platin. Derzeit kostet das System rund 45.000 Euro. Daher werden nur geringe Stückzahlen verkauft, was die Preise ebenfalls hoch bleiben lässt.

Wie gefährlich ist ein Wasserstoffauto?

Das Gerücht, dass ein Wasserstoffauto gefährlich sei, hält sich hartnäckig. Dabei ist Wasserstoff weniger gefährlich als andere Treibstoffe, denn er ist extrem leicht und flüchtig. Lediglich in einem geschlossenen Raum erhöht sich die Explosionsgefahr von Wasserstoff gegenüber Benzin. Daher sollten Garagen immer gut belüftet sein.

Sind Wasserstoff Autos umweltfreundlich?

Wasserstoff Autos werden CO2-neutral hergestellt, außerdem ist die Verbrennung von Wasserstoff „sauber“. Allerdings muss für die Herstellung des Wasserstoffs Strom aufgewendet werden, die gesamte Umweltbilanz des Wasserstoffautos fällt daher schlechter aus. Dennoch: Sie ist immer noch zu 25 Prozent besser als bei einem Auto, das mit Benzin angetrieben wird! Die reduzierte Umweltfreundlichkeit ist allerdings einer der großen Nachteile der Wasserstoffautos.

Über Marius Beilhammer

Marius Beilhammer

Marius Beilhammer, Jahrgang 1969, studierte Journalismus in Bamberg. Er schreibt bereits viele Jahre für technische Fachmagazine, außerdem als freier Autor zu verschiedensten Markt- und Businessthemen. Als fränkische Frohnatur findet er bei seiner Arbeit stets die Balance zwischen Leichtigkeit und umfassendem Know-how durch seine ausgeprägte Affinität zur Technik.

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