Vision Urbanetic: Zukunftsvision von Mercedes für den Stadtverkehr

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Der Vision Urbanetic ist ein Fahrzeug, das Mercedes entwickelt hat, um die Verkehrsprobleme der Großstädte zu lösen. Dafür verwendet der Vision Urbanetic nicht nur moderne Technik, sondern auch ein neues Mobilitätskonzept.

Vision Urbanetic: ein innovatives Konzeptfahrzeug

Auf der Auto-Ausstellung in Kopenhagen präsentierte Mercedes Benz 2018 ein neues Konzeptfahrzeug: den Vision Urbanetic. Dabei handelt es sich nach dem Future Truck 2025 und dem Mercedes F 015 um ein weiteres ambitioniertes Projekt, das den Verkehr der Zukunft prägen soll. Nach der Weltpremiere in Kopenhagen folgten noch weitere Präsentationen. Insbesondere der Auftritt auf der CES in Las Vegas war von großer Bedeutung. Dabei war der Vision Urbanetic sogar auf öffentlichen Straßen unterwegs und stellte seine Praxistauglichkeit unter Beweis. Das zeigt, wie weit fortgeschritten die Technik für Self Driving Cars bereits ist.

Der Vision Urbanetic setzt genau wie die übrigen vorgestellten Konzeptfahrzeuge auf das autonome Fahren. Darüber hinaus kommt ein Elektroantrieb zum Einsatz. Eine wesentliche Neuerung besteht dabei in der Verwendung unterschiedlicher Aufsätze. Damit ist es möglich, den Van innerhalb weniger Minuten für verschiedene Anwendungen umzurüsten. Von besonderer Bedeutung ist jedoch das Verkehrskonzept, das hinter dem Vision Urbanetic steht. Dieses verabschiedet sich vom heute üblichen Individualverkehr und setzt voll auf Shared Mobility. Auf diese Weise soll es möglich sein, viele zentrale Probleme der großen Ballungszentren zu lösen. Daher handelt es sich hierbei nicht nur um ein Fahrzeug mit einer neuen Technik. Der Vision Urbanetic steht für ein neues Konzept, das in Zukunft die Fortbewegung in der Stadt prägen könnte.

Das folgende Video vermittelt einen guten Eindruck davon, was den Vision Urbanetic auszeichnet und welche Idee hinter dem Fahrzeug steht:

Innovativ: Wechselaufbauten für eine vielfältige Nutzung

Mercedes stellt bereits seit vielen Jahrzehnten Vans her, die sich sowohl für die Beförderung von Personen als auch von Waren eignen. Ein sehr beliebtes Beispiel hierfür ist der Sprinter. Dieser ist als Kleinbus erhältlich. In dieser Ausführung verfügt er über Fenster und über zahlreiche Sitze. Darüber hinaus ist es möglich, eine Cargo-Version zu nutzen. Diese bietet einen großzügigen Laderaum an, der sich hervorragend für den Transport verschiedener Güter eignet. Allerdings sind hierbei bisher für die jeweiligen Einsatzzwecke verschiedene Fahrzeuge notwendig. Eine Umrüstung ist nur mit einem sehr großen Aufwand möglich. Das Konzeptfahrzeug von Mercedes hat hierfür jedoch ein neuartiges Konzept entwickelt. Es verwendet praktische Wechselaufbauten. Diese lassen sich einfach auf die Fahrplattform aufsetzen. Der Austausch erfolgt innerhalb weniger Minuten.

Der Vision Urbanetic eignet sich für den Personen- und für den Gütertransport. (Foto: Mercedes-Benz, #1)

Der Vision Urbanetic eignet sich für den Personen- und für den Gütertransport. (Foto: Mercedes-Benz, #1)

Die Grundlage des Fahrzeugs stellt das sogenannte Skateboard dar. Dieses dient als Fahrplattform. Es enthält das komplette Antriebssystem. Auch die Steuerungseinheit ist in das Skateboard integriert. Auf dieses lässt sich dann ein sogenanntes People-Mover-Modul aufsetzen. Dieses eignet sich für bis zu zwölf Fahrgäste. Darüber hinaus steht ein Cargo-Modul zur Verfügung. Darin finden bis zu 10 EPAL-Paletten Platz. Das ermöglicht vielfältige Einsatzmöglichkeiten. Ein Unternehmen kann sich beispielsweise während des Berufsverkehrs der Personenbeförderung widmen, da während dieser Zeit ein besonders hoher Bedarf besteht. Danach ist es möglich, den Aufsatz auszuwechseln, um Waren auszuliefern. Das erlaubt eine sehr effiziente Nutzung des Fahrzeugs. Eine Pause ist nur notwendig, während es geladen wird.

Autonomes Fahren mit dem Vision Urbanetic

Ein ganz entscheidender Punkt bei der Entwicklung dieses Konzeptfahrzeugs stellt das autonome Fahren dar. Dieses ist eine wesentliche Grundlage für das Verkehrskonzept, das ihm zugrunde liegt und das später in diesem Beitrag noch vorgestellt wird. Hierbei handelt es sich um ein vollautonomes Fahrzeug. Es ist vollkommen selbstständig unterwegs und erkennt alle Verkehrssituationen zuverlässig. Ein Fahrer ist dabei nicht notwendig.

Dabei wäre es nicht einmal möglich, den Van manuell zu steuern. Er verfügt weder über Pedale noch über ein Lenkrad. Beim Einsatz für die Personenbeförderung befinden sich ausschließlich die Fahrgäste im Innenraum. Bei der Verwendung für den Gütertransport ist überhaupt keine Person im Fahrzeug. Die bisherigen Tests haben gezeigt, dass das Konzeptauto sich bereits sehr gut im Verkehr zurechtfindet. Bis es jedoch zu einer offiziellen Fahrerlaubnis außerhalb klar definierter Teststrecken kommt, ist es jedoch noch ein weiter Weg.

Allerdings schreitet die Technik beim autonomen Fahren sehr schnell voran. In den letzten Jahren erzielten die Forscher bereits vielfältige Fortschritte und es scheint nur noch eine Frage der Zeit, bis sich diese Technologie auf den öffentlichen Straßen durchsetzt.

Das folgende Video zeigt, wie weit die Entwicklung für automatisches Fahren bislang fortgeschritten ist und welche Probleme es noch bei der Umsetzung gibt:

Die Sicherheit des Fahrzeugs

Einer der zentralen Aspekte beim autonomen Fahren ist die Sicherheit. Zu Beginn hatten viele Menschen Zweifel daran, dass Sensoren und Kameras verschiedene Verkehrssituationen tatsächlich zuverlässig erfassen können. Das ist die Grundlage dafür, dass die Steuerungseinheit die richtige Entscheidung treffen kann, um die Insassen der Fahrzeuge und andere Verkehrsteilnehmer zu schützen. Mittlerweile gehen jedoch fast alle Experten davon aus, dass das autonome Fahren die Sicherheit im Straßenverkehr deutlich erhöhen kann. Der Vision Urbanetic konnte in diesem Bereich bislang voll überzeugen. Es kommt hinzu, dass dieses Fahrzeug ausschließlich für den Stadtverkehr bestimmt ist. Die Höchstgeschwindigkeit mit dem People-Mover-Aufsatz beträgt daher nur 60 km/h. Das erhöht die Sicherheit zusätzlich und führt dazu, dass hierbei nicht einmal Sicherheitsgurte vorgeschrieben sind.

V2X Communication: vernetzte Fahrzeuge für mehr Sicherheit und Effizienz

Neben Sensoren und Kameras spielt die Kommunikation für die Sicherheit eine immer wichtigere Rolle. V2V erlaubt es den Fahrzeugen, untereinander zu kommunizieren. Das ermöglicht es, andere Verkehrsteilnehmer zuverlässig und vor allem frühzeitig zu erkennen. Außerdem können sich die Fahrzeuge gegenseitig vor Gefahrensituationen warnen. Auf diese Weise lassen sich zahlreiche Unfälle vermeiden.

Die Kommunikationsmöglichkeiten, mit denen das Konzeptfahrzeug ausgestattet ist, können außerdem die Effizienz der Fahrzeuge erhöhen und dadurch den Kraftstoffverbrauch reduzieren. Beispielsweise ist es möglich, Bremsvorgänge von Autos, die sich noch in größerer Entfernung befinden, frühzeitig zu erkennen. Das erlaubt es, die Geschwindigkeit sofort anzupassen. Auch die Kommunikation V2I mit den Infrastruktur-Geräten der Straße trägt zur Effizienz bei. Ein vernetztes Fahrzeug kann die Grünphasen einer Ampel abfragen und anhand dieser Information die ideale Geschwindigkeit berechnen. Schließlich ist es möglich, mit größerer Reichweite über das Netzwerk zu kommunizieren. So lassen sich Staus und Baustellen einfach umfahren.

Bei vernetzten Fahrzeugen spielt auch die Embedded Security eine wichtige Rolle. Um Hacker-Angriffe zu vermeiden, sind hierbei umfangreiche Schutzmaßnahmen notwendig. Daher wurden hierfür herstellerübergreifend verschiedene Sicherheitsstandards beschlossen. Beispielsweise sorgt die Norm SAE J3061 für eine sicherere Entwicklung der Fahrzeuge. Auch die Car2Car Kommunikation wird durch die auf einem hohen Level an Automotive Cyber Security entwickelte Fahrzeugarchitektur erheblich sicherer.

Shared Ride: neue Möglichkeiten für die Mobilität

Eines der zentralen Probleme moderner Städte ist ein sehr hohes Verkehrsaufkommen. Das bringt viele Nachteile mit sich. Von großer Bedeutung ist dabei die Luftverschmutzung. In immer mehr Großstädten zeigen die Messwerte, dass die Menge an Feinstaub, Stickoxiden oder anderen schädlichen Abgasen über den vorgegebenen Grenzen liegen. Ein wichtiger Ansatz besteht darin, das Verkehrsaufkommen zu reduzieren.

Da eine hohe Mobilität für die Bürger jedoch sehr wichtig ist, ist hierfür ein neues Konzept notwendig. Ein Ansatz besteht darin, öffentliche Verkehrsmittel zu nutzen. Das senkt den Kraftstoffverbrauch pro Fahrgast deutlich. Die folgende Tabelle zeigt jedoch, dass die Fortschritte in diesem Bereich nur minimal sind. Nach wie vor verwenden die meisten Menschen in Deutschland vorwiegend den Pkw.

Täglich zurückgelegte Wege nach Verkehrsmittel in Deutschland 2017 (in Mio.)
Wege 2002 2008 2017
Pkw-Fahrten (einschl. Mitfahrten) 163 159 148
Fußwege 62 65 56
ÖV-Fahrten 21 23 27
Fahrrad-Fahrten 24 28 29
Quelle: VDV Jahresbericht 2018

Einer der wesentlichen Gründe dafür, dass nur wenige Personen öffentliche Verkehrsmittel nutzen, stellt der geringe Komfort dar, den diese bieten. Insbesondere die lange Dauer, die zum Erreichen des Ziels notwendig ist, mindert den Komfort. Da öffentliche Verkehrsmittel fest vorgegebene Strecken nutzen, müssen die meisten Fahrgäste zunächst längere Strecken zu Fuß zurücklegen, ehe sie die Haltestelle erreichen.

Der Vision Urbanetic ist dafür vorgesehen, die Fahrgäste individuell an ihr Ziel zu befördern. Im Gegensatz zu herkömmlichen Angeboten für das Ride Hailing nimmt er dabei jedoch nicht nur einen einzelnen Fahrgast oder eine bereits zuvor gebildete Gruppe auf. Er ist dafür vorgesehen, bis zu zwölf unabhängige Passagiere zu befördern. Diese können das Verkehrsmittel per App anfordern und an einem beliebigen Punkt zusteigen. Das Fahrzeug bringt sie außerdem an ihr persönliches Ziel. Das führt zu einem hohen Komfort. Allerdings können unterwegs noch weitere Passagiere zusteigen. Das sorgt für eine effiziente Nutzung des Verkehrsmittels und damit zu einem niedrigen Stromverbrauch pro Fahrgast. Ein intelligentes Netzwerk berechnet dabei eine optimale Strecke, um alle Start- und Zielpunkte so effizient wie möglich anzufahren. Das führt zu einer geringen Dauer der Fahrt. Auf diese Weise vereint das Fahrzeug den Komfort des Individualverkehrs mit der Effizienz eines öffentlichen Verkehrsmittels. Insbesondere in größeren Städten kann es daher eine sinnvolle Alternative zum eigenen Auto darstellen.

Der Innenraum des Vision Urbanetic bietet Platz für bis zu zwölf Fahrgäste. (Foto: Mercedes-Benz, #2)

Der Innenraum des Vision Urbanetic bietet Platz für bis zu zwölf Fahrgäste. (Foto: Mercedes-Benz, #2)

Möglichkeiten für eine effiziente Güterbeförderung

Das für die Personenbeförderung vorgestellte Konzept lässt sich auch auf die Güterbeförderung übertragen. Bislang nutzen viele Betriebe einen eigenen Lieferwagen, um Waren zu transportieren. Die Auslastung des Laderaums ist dabei häufig jedoch gering. Das reduziert die Effizienz. In vielen Unternehmen kommt hinzu, dass das entsprechende Fahrzeug nur relativ selten benötigt wird. Dennoch sind hohe Unterhaltskosten dafür notwendig. Auch in diesem Bereich kann der Vision Urbanetic eine sinnvolle Lösung darstellen. Wenn man nur gelegentlich ein Transportfahrzeug benötigt, kann man dieses sehr gut mit anderen Nutzern teilen. Bei diesen Anwendungen lässt sich der Service ebenfalls einfach und bequem per App anfordern. Danach ist es notwendig, die Waren in den Laderaum zu laden und das gewünschte Ziel einzugeben. Auf diese Weise lassen sich die Güter zu vergleichsweise geringen Kosten transportieren.

Vision Urbanetic mit umweltfreundlichem Elektroantrieb

Der Vision Urbanetic verwendet einen umweltfreundlichen Elektroantrieb. Dabei handelt es sich um eine Antriebsform, die insbesondere im Hinblick auf den Umwelt- und Klimaschutz zahlreiche Vorteile bietet. Die folgende Tabelle zeigt, dass Elektroautos in Deutschland immer beliebter werden.

Neuzulassungen von Elektroautos in Deutschland
Jahr Elektrofahrzeuge
2012 2.956
2013 6.051
2014 8.522
2015 12.363
2016 11.410
2017 25.056
2018 36.062
Quelle: Statista

Das Konzeptfahrzeug von Mercedes verwendet einen Elektroantrieb, der sich durch einen niedrigen Stromverbrauch auszeichnet. Ein weiterer entscheidender Vorteil besteht darin, dass dieser am Einsatzort keinerlei schädliche Emissionen freisetzt. Wird der Van mit Strom aus erneuerbaren Energiequellen geladen, ist es sogar möglich, ihn vollkommen ohne den Ausstoß von Treibhausgasen zu betreiben. Auf diese Weise leistet das Fahrzeug einen wichtigen Beitrag zum Umwelt- und Klimaschutz.

Der Vision Urbanetic: Ein Mobilitätskonzept für die Zukunft?

Der Vision Urbanetic stellt viele interessante Ideen für die Mobilität der Zukunft vor. Da ist zum einen die technische Seite. Die autonome Fahrweise und der Elektroantrieb stellen Schlüsseltechnologien dar, die immer mehr an Bedeutung gewinnen. Zum anderen steht das Fahrzeug für eine grundlegende Erneuerung der Mobilität. Anstatt weiterhin Verkehrsmittel individuell zu nutzen, sollen die Bewohner der Städte diese gemeinsam verwenden. Das soll die Effizienz erhöhen und dadurch nicht nur die Umwelt schützen, sondern auch die Verkehrsinfrastruktur entlasten. Dieser Ansatz scheint sehr vielversprechend, um einige der zentralen Probleme der modernen Gesellschaft zu lösen.


Bildnachweis: © Titelbild + #1 + #2 Mercedes-Benz

Über Marius Beilhammer

Marius Beilhammer

Marius Beilhammer, Jahrgang 1969, studierte Journalismus in Bamberg. Er schreibt bereits viele Jahre für technische Fachmagazine, außerdem als freier Autor zu verschiedensten Markt- und Businessthemen. Als fränkische Frohnatur findet er bei seiner Arbeit stets die Balance zwischen Leichtigkeit und umfassendem Know-how durch seine ausgeprägte Affinität zur Technik.

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