Mercedes Concept Car: Wie sieht der Verkehr der Zukunft aus?

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Der Mercedes Concept Car zeigt auf, wie sich der Daimler-Konzern die Fahrzeuge der Zukunft vorstellt. Zusammen mit dem Mercedes Concept Car entwickelte das Unternehmen auch ein neuartiges Verkehrskonzept.

Mercedes Concept Car: die neuesten Entwicklungen bei Daimler

Der Verkehr wird sich in den kommenden Jahren stark verändern. Der bisherige Individualverkehr, der auf Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor beruht, bringt enorme Probleme mit sich. Daher ist davon auszugehen, dass dieser keine zukunftsträchtige Lösung mehr darstellt. Aus diesem Grund sind unzählige Unternehmen damit beschäftigt neuartige Fahrzeuge zu entwerfen, die Antworten auf diese Probleme bieten sollen. Die Entwicklung beschränkt sich jedoch nicht auf neuartige Autos. Darüber hinaus entwickeln die Forscher auch zukunftsorientierte Verkehrskonzepte, die zu einer effizienteren Nutzung der vorhandenen Möglichkeiten beitragen sollen.

Die Daimler AG mit ihrer Marke Mercedes zählt innerhalb Deutschlands und auch weltweit zu den führenden Autoherstellern. Da liegt es auf der Hand, dass das Unternehmen ebenfalls aktiv an der Entwicklung neuartiger Autos und Verkehrskonzepte mitarbeitet. Konzeptfahrzeuge spielen dabei eine wichtige Rolle. Diese stellen Techniken vor, die zwar noch nicht serienreif sind, die aber bereits so weit entwickelt sind, dass sie sich im Rahmen von Modellversuchen als praxistauglich erwiesen haben. Zwar kommt es bei vielen dieser Modelle letztendlich nicht zur Marktreife. Dennoch finden die hierbei entwickelten Techniken häufig Einzug in die Serienfahrzeuge. Um zu sehen, in welche Richtung die Entwicklung geht, ist es daher sehr interessant, den neuesten Mercedes Concept Car zu betrachten. Dabei stehen insbesondere die folgenden Aspekte im Mittelpunkt:

  • Automatisches Fahren
  • Elektroantrieb
  • Carsharing Autosharing
  • Vernetzung und Konnektivität

Autonomous Driving mit Fahrzeugen von Mercedes

Das autonome Fahren sorgt im Moment für viele Schlagzeilen. Testfahrzeuge wie Google Self Driving Cars sind bereits seit Längerem auf öffentlichen Straßen unterwegs. Sie zeigen, wie weit fortgeschritten diese Technik ist. Zwar ist der Weg zum ersten vollautonomen Serienfahrzeug noch weit, doch ist davon auszugehen, dass dieses früher oder später erscheinen wird. Allerdings sorgen Self Driving Cars nicht nur für Zustimmung. Sie schüren auch viele Ängste. Zahlreiche Menschen haben Angst, dass die Technik versagen könnte. Die Ergebnisse der folgenden Umfrage zeigen, dass das Vertrauen in selbstfahrende Autos noch nicht allzu hoch ist. Insbesondere ältere Menschen stehen dieser Entwicklung skeptisch gegenüber.

Zustimmung zu den folgenden Aussagen nach Altersgruppen (in Prozent)
  18-29 Jahre 30-44 Jahre 45-59 Jahre 60 Jahre und älter
Ich habe Vertrauen in selbstfahrende Autos 42 26 26 20
Autonomes Fahren macht den Straßenverkehr sicherer 54 48 44 35
Selbstfahrende Autos verbessern Zeitmanagement 36 33 30 21
Quelle: CosmosDirekt

Trotz der zurückhaltenden Meinung der Bevölkerung gegenüber selbstfahrenden Autos ist diese Entwicklung kaum aufzuhalten. Zum einen zeigt sich bereits jetzt, dass sie die Sicherheit im Straßenverkehr deutlich erhöhen kann. Die aktuell verwendeten Sensoren können verschiedene Verkehrssituationen bereits sehr zuverlässig erkennen. Ihre geringe Reaktionszeit führt dazu, dass sie in einer Gefahrensituation deutlich schneller die erforderlichen Aktionen einleiten können als ein menschlicher Fahrer. Dadurch lassen sich zahlreiche Unfälle verhindern.

Hinzu kommt ein starker wirtschaftlicher Aspekt. Bei Logistik-Unternehmen oder bei Anbietern für Fahrdienste macht bislang die Vergütung für den Fahrer einen erheblichen Teil der Kosten für den entsprechenden Service aus. Durch autonome Fahrzeuge wäre es möglich, diese Dienstleistungen deutlich preiswerter anzubieten. Vor diesem Hintergrund ist es auch wenig erstaunlich, dass gerade die Uber Self Driving Cars bei der Entwicklung dieser Technologie eine führende Rolle einnehmen.

Als einer der größten Autohersteller ist es selbstverständlich, dass auch Mercedes Benz eigene Projekte für selbstfahrende Autos durchführt. Bereits vor mehreren Jahren waren die ersten autonomen Lkws auf deutschen Autobahnen unterwegs. Eine intensive Forschungsarbeit führte dazu, dass sich die Daimler AG auch in diesem Bereich zu einem der Marktführer entwickelt hat. Das folgende Video stellt vor, welche Level es beim autonomen Fahren gibt und wie weit Mercedes in diesem Bereich bereits fortgeschritten ist:

Vision Urbanetic: der neueste Mercedes Concept Car

Der neueste Mercedes Concept Car trägt den Namen Vision Urbanetic. Diesen hat das Unternehmen erstmals 2018 vorgestellt. Er war im Rahmen von Tests und Präsentationen auch bereits mehrfach auf öffentlichen Straßen unterwegs. Hierbei handelt es sich um einen Van, dessen Größe etwa dem Sprinter entspricht. Er zeichnet sich nicht nur durch ein futuristisches Design aus, sondern auch durch ein neuartiges Konzept mit Wechselaufbauten. Der Concept Car besteht aus einer Plattform, die als Skateboard bezeichnet wird und die das komplette Antriebs- und Steuerungssystem enthält. Darauf lassen sich Aufbauten für die Personen- oder für die Güterbeförderung aufsetzen.

Der Vision Urbanetic eignet sich für den Personen- und für den Gütertransport. (Foto: Mercedes-Benz)

Der Vision Urbanetic eignet sich für den Personen- und für den Gütertransport. (Foto: Mercedes-Benz, #1)

Weitere wichtige Merkmale des Fahrzeugs sind sein Elektroantrieb und seine vollautonome Fahrweise. Dabei ist kein Fahrer an Bord. Das Fahrzeug verfügt weder über Pedale noch über ein Lenkrad. In vielen Situationen ist es sogar vollkommen ohne menschliche Besatzung unterwegs.

Ein neuartiges Verkehrskonzept für die Stadt

Neben der Technik, mit der der neue Concept Car ausgestattet ist, zeichnet sich das Fahrzeug auch durch ein neues Verkehrskonzept aus. Dieses setzt auf Shared Ride, also auf die gemeinsame Nutzung durch mehrere Fahrgäste. Der Hintergrund dieser Idee besteht darin, dass der Verkehr in den großen Städten durch eine starke Überlastung der Infrastruktur gekennzeichnet ist.

Insbesondere in den Innenstädten sind die Straßen ständig verstopft. Aufgrund des Platzmangels ist es beinahe unmöglich, die Verkehrsinfrastruktur an diesen Stellen zu erweitern. Eine sinnvolle Lösung für dieses Problem stellt es dar, die Fahrzeuge effizienter zu nutzen. In diesem Concept Car finden beispielsweise bis zu zwölf Fahrgäste Platz. Wenn sich diese das Fahrzeug teilen, anstatt jeweils ihr eigenes Auto zu verwenden, führt das zu einer erheblichen Entlastung der Verkehrswege. Nun könnte man einwenden, dass bereits die Möglichkeit besteht, öffentliche Verkehrsmittel zu verwenden, die eine noch effizientere Beförderung anbieten. Allerdings zeichnen sich diese durch einen geringen Komfort aus. Der Concept Car kann die Fahrgäste hingegen schnell und bequem von einem individuell vorgegebenen Startpunkt zu ihrem persönlichen Ziel bringen. Auf diese Weise bietet er einen vergleichbaren Komfort wie das eigene Auto und kann daher eine ernsthafte Alternative zum Individualverkehr darstellen.

Das nächste Video stellt das Fahrzeug etwas ausführlicher vor und gibt einen interessanten Einblick, wie es den Verkehr in den Innenstädten bereits in absehbarer Zukunft beeinflussen könnte:

Alternativen für längere Strecken

Das Markenzeichen von Daimler sind in erster Linie luxuriöse und leistungsstarke Fahrzeuge für den Individualverkehr. Ein SUV von Mercedes Benz oder eine luxuriöse Limousine von Maybach sind typische Beispiele hierfür. Der hier vorgestellte Concept Car scheint jedoch genau das Gegenteil davon darzustellen. Zwar ist er ebenfalls sehr komfortabel ausgestattet, doch ist er auf eine gemeinsame Nutzung durch mehrere Fahrgäste und nicht auf den Individualverkehr ausgerichtet.

Allerdings ist dieses Konzept nur für die City bestimmt. Bereits die Höchstgeschwindigkeit von nur 60 km/h zeigt eindeutig, dass der Vision Urbanetic nicht für längere Fahrten vorgesehen ist. Für diesen Verwendungszweck bleibt Mercedes dem bisherigen Konzept des Individualverkehrs treu. Ein anderer Concept Car, den das Unternehmen bereits 2015 vorstellte, macht das deutlich: der Mercedes F 015.

Dieser verfügt über einen großzügigen Innenraum wie ein SUV und über eine luxuriöse Ausstattung wie ein Maybach. Das Design ist zwar sehr futuristisch, aber dennoch sehr elegant. Obwohl dieses Fahrzeug dem bisherigen Verkehrskonzept entspricht und für die individuelle Nutzung vorgesehen ist, verwendet es dennoch eine zukunftsorientierte Technik: Es fährt vollkommen autonom und nutzt einen Elektroantrieb.

Für Sportwagenfreunde ist sicherlich von Interesse, dass dabei aber dennoch ein Lenkrad und Pedale integriert sind. Obwohl das Auto vollkommen selbstständig fahren kann, ist auch eine manuelle Steuerung möglich. So kommt der Fahrspaß ebenfalls nicht zu kurz.

Automatisiertes Fahren: sicherer und effizienter mit V2X Communication

Um das autonome Fahren sicherer und effizienter zu gestalten, verwendet der Concept Car von Mercedes ein hochwertiges V2X Kommunikationssystem. Von besonderer Bedeutung ist dabei die V2V Kommunikation, die auch mit dem Begriff Car2Car bezeichnet wird. Dieses System erlaubt es, Fahrzeuge bereits in weiter Entfernung zu erkennen, noch bevor sie sich in Sichtweite befinden. Das erhöht die Sicherheit beim Überqueren einer Kreuzung oder bei einem Überholvorgang deutlich. Darüber hinaus können sich die Fahrzeuge gegenseitig auf Gefahren aufmerksam machen.

V2I ermöglicht es, mit der Straßeninfrastruktur zu kommunizieren. Das erlaubt es, Verkehrsschilder mit einem entsprechenden Sender noch zuverlässiger zu erkennen oder durch die Kommunikation mit einer intelligenten Ampel die Geschwindigkeit genau an die Grünphasen anzupassen. Daran wird bereits deutlich, dass die Car2X Kommunikation auch die Effizienz im Straßenverkehr erhöhen kann. Von Bedeutung ist auch die Kommunikation mit dem Netzwerk. Diese dient nicht nur der Information über Staus oder Verkehrsbehinderungen. Wenn man wie in einem der vorherigen Abschnitte vorgestellt den Concept Car für die gemeinsame Nutzung durch mehrere Fahrgäste verwenden will, ist sie auch für eine effiziente Organisation der Flotte sehr wichtig.

Automotive Security: Welche Gefahr geht von Hackerangriffen aus?

Die Automotive Cyber Security spielt gerade bei vernetzten Fahrzeugen eine sehr wichtige Rolle. Es wäre beispielsweise über ein Can Bus Hacking möglich, Zugriff auf den In-Vehicle-Server zu erhalten. Das würde es dem Angreifer erlauben, das Fahrzeug zu steuern. Daraus entstünde eine große Angriffsfläche für Erpressungsversuche. Daher spielt die Embedded Security hierbei eine wichtige Rolle. Die gesamte E/E Architektur muss auf die geltenden Automotive Security Standards ausgerichtet sein. Von großer Bedeutung ist dabei beispielsweise der Standard SAE J3061. Dieser macht genaue Angaben dazu, wie die Fahrzeugarchitektur gestaltet sein muss, um Angriffe zu verhindern. Auch in diesem Bereich arbeitet Mercedes aktiv an der Entwicklung und an der Umsetzung geeigneter Sicherheitssysteme, um einen Angriff auf die autonomen Fahrzeuge zu verhindern.

Effizienter Elektroantrieb

Bei den Problemen des Stadtverkehrs spielt nicht nur die Überlastung der Verkehrswege eine wichtige Rolle. Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die Luftverschmutzung. Gerade in den Ballungszentren, in denen sehr viele Fahrzeuge unterwegs sind, befinden sich große Mengen an Schadstoffen in der Luft. Das zeigt die folgende Statistik:

Überschreitung der WHO‑Empfehlungen für Schadstoffe
in deutschen Ballungszentren (in Prozent)
  Ozon Feinstaub Stickstoffdioxid
2000 71 77,3 35,9
2005 68,9 69,8 28,9
2010 84,7 66,3 25,7
2015 84,4 25,6 9,2
2016 59,8 20,6 9,8
2017 54,2 20,1 5,5
2018 76,8 24,8 1,9
Quelle: Umweltbundesamt

Daraus geht hervor, dass die empfohlenen Werte für die wesentlichen Schadstoffe in der Luft in deutschen Städten teilweise deutlich überschritten werden. Aus diesem Grund ist es gerade in den Ballungszentren wichtig, den Schadstoffausstoß zu reduzieren. Das ist durch die Verwendung von Elektromotoren möglich. Diese erzeugen an dem Ort, an dem sie betrieben werden, keinerlei Emissionen. Das trägt zu einer deutlichen Entlastung der Städte bei. Durch die Wahl von Strom aus erneuerbaren Energiequellen kann man das Fahrzeug sogar vollkommen emissionsfrei und klimaneutral betreiben.

Der Elektroantrieb spielt bei Mercedes eine immer wichtigere Rolle. (Foto: shutterstock - Gyuszko-Photo, #3)

Der Elektroantrieb spielt bei Mercedes eine immer wichtigere Rolle. (Foto: shutterstock – Gyuszko-Photo, #3)

Mercedes Concept Car: vielfältige Veränderungen für den Verkehr der Zukunft

Der Artikel hat gezeigt, dass der neueste Concept Car von Mercedes vielfältige Änderungen mit sich bringen kann. Eine autonome Fahrweise und ein Elektroantrieb stellen die wichtigsten Eckpunkte der verwendeten Technik dar. Hinzu kommt ein neues Verkehrskonzept, das gerade in den Städten auf eine geteilte Nutzung der Fahrzeuge setzt. Ob der Vision Urbanetic jemals in Serie produziert wird, steht bislang noch nicht fest. Allerdings ist davon auszugehen, dass viele der hier vorgestellten Ansätze bereits in einigen Jahren in den Städten in Deutschland zu sehen sein werden.


Bildnachweis: © Titelbild + #1 Mercedes-Benz, shutterstock – #3 Gyuszko-Photo

Über Marius Beilhammer

Marius Beilhammer

Marius Beilhammer, Jahrgang 1969, studierte Journalismus in Bamberg. Er schreibt bereits viele Jahre für technische Fachmagazine, außerdem als freier Autor zu verschiedensten Markt- und Businessthemen. Als fränkische Frohnatur findet er bei seiner Arbeit stets die Balance zwischen Leichtigkeit und umfassendem Know-how durch seine ausgeprägte Affinität zur Technik.

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