Mercedes: autonome Fahrzeuge für die Mobilität der Zukunft

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Mercedes: Autonome Fahrzeuge spielen in den strategischen Planungen der Marke eine immer wichtigere Rolle. Mittlerweile hat Mercedes autonome Fahrzeuge für verschiedene Einsatzzwecke entwickelt.

Mercedes: autonome Fahrzeuge von einem der führenden Hersteller

Die Daimler AG ist einer der führenden Automobilhersteller weltweit. Die Marke Mercedes Benz ist ein sehr bekanntes Symbol für Autos mit einer herausragenden Qualität. Insbesondere hinsichtlich des Umsatzes nimmt der Konzern eine der Spitzenpositionen ein. Das zeigt die folgende Tabelle:

Umsätze der führenden Autohersteller 2013 (in Mrd. Euro)
   
Volkswagen AG 197007
Toyota Motor Corporation 172367
Daimler AG 117982
General Motors Company 112863
Ford Motor Company 106684
Honda Motor Company 79543
BMW Group 76058
Quelle: Ernst & Young

Diese bedeutende Rolle führt unter anderem dazu, dass das Unternehmen einen großen Einfluss auf weltweite Fahrzeugtrends hat. Die Technologien, die hier entstehen, nehmen in vielen Bereichen eine Vorreiterrolle ein. Daher ist es stets sehr interessant, die Entwicklungen dieses Unternehmens genau zu verfolgen.

Im Moment spielen bei Mercedes autonome Fahrzeuge eine sehr wichtige Rolle. Im Bereich der Self Driving Cars sind viele verschiedene Unternehmen aktiv. Sowohl Technologiekonzerne wie Google als auch Fahrdienstleister wie Uber forschen intensiv an diesem Thema.

Hinzu kommen die großen Automobilkonzerne, von denen wohl jeder einzelne eine entsprechende Forschungsabteilung unterhält. Gerade im Vergleich zu den anderen Autobauern kann der Daimler-Konzern eine Vorreiterrolle einnehmen. Bereits vor mehreren Jahren testete er einen selbstfahrenden Lkw auf deutschen Autobahnen. Dabei handelte es sich um den Future Truck 2025, der 2014 präsentiert wurde und damals für viele Schlagzeilen sorgte. In der Zwischenzeit gingen die Forschungsarbeiten jedoch weiter.

2015 stellte das Unternehmen den Mercedes F 015 vor. Dabei handelt es sich um eine luxuriöse Limousine, die vollkommen autonom fahren kann. Das aktuelle Konzeptfahrzeug ist der Vision Urbanetic, den Mercedes erstmals 2018 auf der Automobilausstellung in Kopenhagen präsentierte. Dieses Fahrzeug zeigt nicht nur den Fortschritt, den autonomous Driving bereits erreicht hat. Darüber hinaus stellte Mercedes damit ein vollkommen neuartiges Mobilitätskonzept vor, das den Verkehr in den Ballungszentren revolutionieren könnte. Dieser Artikel soll autonome Fahrzeuge von Mercedes vorstellen und auf die damit verbundenen Techniken und Konzepte eingehen.

Autonome Technik macht deutliche Fortschritte

Autonomes Fahren stellt eine Technologie dar, an der viele große Konzerne aus aller Welt intensiv forschen. Welche Fortschritte dabei erzielt wurden, wird an den Fahrzeugen von Mercedes Benz deutlich. Eines der ersten Projekte in diesem Bereich war der Future Truck 2025. Dessen autonomes Fahrsystem war lediglich für die Nutzung auf der Autobahn geeignet. Außerdem war eine deutliche Fahrbahnmarkierung notwendig, damit das Fahrzeug die Straßenführung gut erkennen konnte. Das machte es notwendig, dass stets ein Fahrer anwesend war. Dieser musste die Steuerung übernehmen, wenn der Lkw sich auf einer Landstraße fortbewegte. Außerdem war es für die Sicherheit notwendig, dass er bei Bedarf jederzeit eingreifen konnte, falls das autonome Steuerungssystem die Straßenverhältnisse nicht richtig erkennen konnte.

Bereits im folgenden Jahr kam es zur Vorstellung des Mercedes F 015. Dieses Fahrzeug zeichnete sich durch eine deutliche Verbesserung der autonomen Steuerungssysteme aus. Der F 015 erlaubt bereits den Einsatz auf unterschiedlichen Straßenarten und außerdem ist das Eingreifen eines Fahrers nicht mehr notwendig. Dennoch ist es hierbei noch möglich, das Fahrzeug manuell zu steuern. Es verfügt über ein Lenkrad und über Pedale.

Der Vision Urbanetic, der 2018 vorgestellt wurde, geht dann nochmals einen Schritt weiter. Hier besteht keine Möglichkeit mehr, um das Fahrzeug durch einen menschlichen Fahrer zu steuern. Es verfügt weder über ein Lenkrad noch über Pedale. In der Cargo-Version ist das Auto sogar vollkommen ohne Insassen unterwegs.

Hohe Konnektivität für Komfort und Sicherheit

Für einen großen Teil der Fortschritte beim autonomen Fahren ist die deutlich verbesserte Konnektivität verantwortlich. Um die Straße und andere Verkehrsteilnehmer zu erkennen, kommen nicht mehr nur Kameras und Sensoren zum Einsatz. Darüber hinaus verfügen die Fahrzeuge über ein intelligentes Kommunikationssystem. Durch die Entwicklung von Cellular V2X wurde dieses nochmals deutlich verbessert. Diese neue Technologie sorgt in erster Linie für eine wesentlich höhere Zuverlässigkeit. Sie eignet sich für folgende Kommunikationsformen:

  • V2V: Kommunikation mit anderen Fahrzeugen
  • V2I: Kommunikation mit der Straßeninfrastruktur
  • V2N: Kommunikation mit einem übergeordneten Netzwerk

V2V spielt für die Sicherheit eine besonders wichtige Rolle. Damit können alle Fahrzeuge, die mit einer Vorrichtung für Car2X ausgestattet sind, miteinander Informationen austauschen. Dadurch wird es einfacher, andere Verkehrsteilnehmer zu erkennen. Das erhöht die Sicherheit beim Überqueren einer Kreuzung oder bei einem Überholvorgang deutlich.

Es wäre sogar möglich, gewöhnliche Smartphones zu erkennen. Das verbessert den Schutz für Fußgänger, Radfahrer und für andere besonders gefährdete Verkehrsteilnehmer, sofern diese ein entsprechendes Gerät bei sich tragen. Darüber hinaus lässt sich dadurch die Effizienz steigern. Wenn ein Auto einen Bremsvorgang eines Fahrzeugs bereits aus weiter Entfernung erkennt, kann es sofort seine Geschwindigkeit anpassen und dadurch den Kraftstoffverbrauch reduzieren. Das trägt auch dazu bei, Staus zu verhindern, sodass alle Verkehrsteilnehmer schneller an ihr Ziel kommen.

Darüber hinaus ist es möglich, auch Bestandteile der Straßen-Infrastruktur mit entsprechenden Sendern auszustatten. Das verbessert die Erkennung von Straßenschildern und trägt dadurch ebenfalls zur Sicherheit bei. Wenn eine intelligente Ampel den Fahrzeugen genaue Informationen über Grün- und Rotphasen gibt, kann das außerdem die Effizienz im Straßenverkehr erhöhen.

Schließlich erlaubt es das Mobilfunknetz, mit einem größeren Netzwerk zu kommunizieren. Auf diese Weise lassen sich Informationen über Staus und Behinderungen abrufen. Außerdem kann der Betreiber des Fahrzeugs mit diesem kommunizieren, um diesem bestimmte Ziele zu übermitteln, die es anfahren soll.

Automotive Cyber Security

Für autonome Fahrzeuge spielt die Automotive Security eine wichtige Rolle. Sollte es bei einem CAN Bus Hacking oder einem anderen Angriff gelingen, einzelne Einheiten (ECUs) im Fahrzeug zu kontrollieren, könnte das schwere Folgen haben. Daher ist es sehr wichtig, bei der Gestaltung der E/E Architektur alle Automotive Security Standards zu beachten. Von großer Bedeutung ist dabei beispielsweise der Standard SAE J3061. Dieser enthält vielfältige Vorgaben, wie ein Angriff auf das Fahrzeug zu verhindern ist. Auch in diesem Bereich können autonome Fahrzeuge von Mercedes überzeugen. Durch eine durchdachte Embedded Security, die die komplette Fahrzeugarchitektur prägt, sorgt der Hersteller für einen umfassenden Schutz in diesem Bereich.

Elektroantrieb mit niedrigem Stromverbrauch

Eines der zentralen Probleme des heutigen Verkehrs ist der hohe Kraftstoffverbrauch. Dieser setzt zum einen schädliche Abgase frei, die die Umwelt und die Gesundheit der Menschen beeinträchtigen. Zum anderen tritt bei der Verwendung fossiler Energieträger eine hohe Menge an Kohlendioxid aus. Das trägt zur Klimaerwärmung bei. Deshalb ist es sinnvoll, Alternativen zum Verbrennungsmotor zu verwenden. Autonome Fahrzeuge von Mercedes wie der Vision Urbanetic oder der F 015 sind daher mit einem Elektroantrieb ausgestattet. Dieser ist am Einsatzort vollkommen emissionsfrei. Das kann die Luftverschmutzung in den großen Städten deutlich reduzieren. Darüber hinaus besteht sogar die Möglichkeit, das Fahrzeug vollkommen klimaneutral zu betreiben. Voraussetzung hierfür ist, dass es mit Strom aus nachhaltigen Energiequellen geladen wird.

Auch in Bezug auf den verwendeten Elektroantrieb setzen die autonomen Fahrzeuge von Mercedes neue Maßstäbe. Zum einen ist der Stromverbrauch dabei gering. Zum anderen kommen hierbei sehr leistungsfähige Akkus zum Einsatz. Das führt nicht nur zu einer hohen Reichweite, sondern auch zu einer geringen Dauer der Wartezeiten, während das Auto geladen wird.

Vision Urbanetic: ein neues Verkehrskonzept für die Stadt

Der neueste Vertreter für autonome Fahrzeuge von Mercedes ist der Vision Urbanetic. Diesen stellte das Unternehmen 2018 in Kopenhagen vor. Er zeichnet sich nicht nur durch ein sicheres automatischen Steuerungssystem und durch einen leistungsfähigen Elektroantrieb aus. Darüber hinaus ist die gesamte Konzeption des Fahrzeugs vollkommen neuartig. Eine große Besonderheit stellt es beispielsweise dar, dass es möglich ist, den Vision Urbanetic mit verschiedenen Aufsätzen auszustatten. Die komplette Steuerungstechnik und das Antriebssystem sind in eine Fahrplattform integriert, die vollkommen selbstständig ist. Darauf kann man dann Aufsätze für den Güter- oder für den Personentransport anbringen. Daher ist es möglich, das gleiche Fahrzeug für verschiedene Einsatzzwecke zu verwenden.

Der Vision Urbanetic lässt sich mit verschiedenen Aufsätzen ausstatten. (Foto: Mercedes-Benz, #1)

Der Vision Urbanetic lässt sich mit verschiedenen Aufsätzen ausstatten. (Foto: Mercedes-Benz, #1)

Eine weitere wichtige Neuerung stellt das Verkehrskonzept dar, das hinter dem Vision Urbanetic steht. Dieses verfolgt einen neuartigen Ansatz, um die immer größer werdenden Probleme in den großen Ballungszentren zu lösen. Hier entsteht aufgrund der Abgase nicht nur eine enorme Luftverschmutzung.

Darüber hinaus ist die Verkehrsinfrastruktur chronisch überlastet. Einen wesentlichen Grund dafür erkennt man unschwer in der unten stehende Tabelle. Der Anteil der Stadtbevölkerung wächst bereits seit Jahrzehnten stark an. Aufgrund der geringen freien Flächen ist es jedoch mit enormen Kosten verbunden, neue Verkehrswege für die hinzugekommene Bevölkerung zu gestalten.

Verhältnis zwischen Land‑ und Stadtbevölkerung weltweit (in Prozent)
  Stadtbevölkerung Landbevölkerung
1950 29,6 70,4
1970 36,6 63,4
1990 42,9 47,1
2010 51,6 48,4
2030 60 40
2050 66,4 33,6
Quelle: BPB

Unternehmen wie Moovel, an dem der Daimler-Konzern ebenfalls beteiligt ist, suchen intensiv nach Lösungen, um die Städte zu entlasten. Eine Möglichkeit bestünde darin, den öffentlichen Personennahverkehr zu stärken. Die hohe Dauer der Beförderung und der geringe Komfort führen jedoch dazu, dass die meisten Menschen nach wie vor das eigene Auto vorziehen. Eine andere Lösung, die innovative Unternehmen wie Moovel hierfür vorschlagen, ist Rideshare. Das bedeutet, dass mehrere Personen gemeinsam ein Fahrzeug benutzen.

Dabei ist es aber dennoch möglich, genau wie beim klassischen Ride Hailing individuelle Start- und Zielpunkte vorzugeben. Das Fahrzeug verfügt über ein intelligentes System, um all diese Orte möglichst effizient anzufahren. Das reduziert das Verkehrsaufkommen. Die Fahrgäste kommen aber dennoch schnell und komfortabel an ihr Ziel. Autonome Fahrzeuge führen dazu, dass hierbei keine Kosten für den Fahrer anfallen. Das ermöglicht es, diese Dienstleistung kostengünstig anzubieten, sodass sie sich zu einer ernsthaften Alternative zum eigenen Auto entwickeln könnte.

Der Vision Urbanetic wurde speziell für dieses Mobilitätskonzept entwickelt. Im Innenraum finden bis zu zwölf Fahrgäste Platz. Das ermöglicht es, viele Passagiere aufzunehmen und sie effizient an ihr Ziel zu bringen.

Das folgende Video zeigt, wie sich der Vision Urbanetic auf der CES 2019 in Las Vegas präsentierte:

Fahrspaß trotz autonomem Steuerungssystem: Mercedes F 015

Autonome Autos bringen einen hohen Komfort und viel Sicherheit mit sich. Insbesondere wenn man wie beim Vision Urbanetic das Fahrzeug mit anderen Fahrgästen teilt, kann das die überforderte Verkehrsinfrastruktur deutlich entlasten. Auf längeren Strecken ist es jedoch deutlich schwieriger, die Ziele mehrerer Personen miteinander zu vereinen. Daher bietet es sich hierbei an, auch weiterhin das eigene Auto zu verwenden. Auch hierfür hat Mercedes ein passendes Konzeptfahrzeug entwickelt: den F 015.

Komfort und autonome Fahrweise: der Mercedes F 015. (Foto: Mercedes-Benz, #2)

Komfort und autonome Fahrweise: der Mercedes F 015. (Foto: Mercedes-Benz, #2)

Dieser verfügt ebenfalls über eine vollkommen autonome Fahrweise. Die Anwender können sich während der Fahrt daher ausruhen oder den komfortablen Innenraum als Büro nutzen. Das ist in vielen Fällen zwar sehr praktisch. Viele Anwender vermissen dabei jedoch den Fahrspaß. Sich ans Steuer eines kraftvollen Wagens zu setzen, bringt ein unbeschreibliches Gefühl mit sich. Um den Besitzern dieses Vergnügen zu ermöglichen, ist der Mercedes F 015 auch mit einem Lenkrad und mit Pedalen ausgestattet. Der Wagen bewegt sich zwar auch ohne diese Hilfsmittel sicher fort. Wer jedoch Wert auf einen hohen Fahrspaß legt, kommt bei diesem Modell dennoch auf seine Kosten.

Auch zu diesem Auto soll ein Video präsentiert werden. Dieses stellt den Mercedes F 015 ausführlich vor und zeigt, wie sich das Fahrzeug im Praxistest geschlagen hat:


Bildnachweis: © Titelbild + #1 + #2 Mercedes-Benz

Über Marius Beilhammer

Marius Beilhammer

Marius Beilhammer, Jahrgang 1969, studierte Journalismus in Bamberg. Er schreibt bereits viele Jahre für technische Fachmagazine, außerdem als freier Autor zu verschiedensten Markt- und Businessthemen. Als fränkische Frohnatur findet er bei seiner Arbeit stets die Balance zwischen Leichtigkeit und umfassendem Know-how durch seine ausgeprägte Affinität zur Technik.

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