Das Aus für die Grid Girls: Jetzt kommen die Grid Kids!

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Seit den 1960er Jahren hielten die Grid Girls die Schilder in der Formel 1 hoch, sie standen in der Startaufstellung neben den Piloten. Das ist jetzt passé, denn nun kommen die Grid Kids.

Wonach werden die Kinder ausgesucht?

Nicht wenige Formel 1 Fans dürften es bedauern: Die Grid Girls haben ausgedient. Sie werden jetzt von Kindern abgelöst, die in der Startaufstellung die Nummern halten dürfen. Ob das gut ist oder nicht, daran scheiden sich die Geister, und während die einen davon sprechen, dass Grid Girls nicht mehr zeitgemäß waren, gehen die anderen davon aus, dass diese Neuerscheinung in der Formel 1 ein Fehler sei.

Stellt sich die Frage, wonach die Kinder ausgesucht werden:

  • Grid Kids werden per Los von ihrem Motorsport-Club bestimmt.
  • Eine Auswahl der Kinder ist auch nach ihren Verdiensten möglich.
  • Voraussetzung ist, dass die Kinder aktiv am Kart- oder Formelsport teilnehmen.

Nicht nur den Kleinen wird damit eine unvergessliche Erfahrung geboten, sondern auch ihre Familien profitieren von der neuen Regelung der Grid Kids. Sie werden Teil eines „exklusiven und aufregenden Moments“ am Rennwochenende. Auch für die Zuschauer ändert sich damit einiges, denn die Zeiten der luftig-leicht bekleideten hübschen Mädchen sind vorbei! Ambitionierte Sportwetter werden zwar dennoch ihre Wetten auf sportwette.net platzieren, aber ein bisschen weniger Spaß beim Zuschauen mag nun dabei sein.

Die Führung der Formel 1 begründete die Entscheidung für Grid Kids damit, dass die hübschen Mädchen wohl nicht mehr zeitgemäß seien – sie „widersprächen den Rennwagen“. (#01)

Die Führung der Formel 1 begründete die Entscheidung für Grid Kids damit, dass die hübschen Mädchen wohl nicht mehr zeitgemäß seien – sie „widersprächen den Rennwagen“. (#01)

Die Frage nach dem Warum

Die Führung der Formel 1 begründete die Entscheidung für Grid Kids damit, dass die hübschen Mädchen wohl nicht mehr zeitgemäß seien – sie „widersprächen den Rennwagen“. Was genau das bedeuten soll, wissen die Verantwortlichen wohl nicht einmal selbst. Liberty Media, das US-Medienunternehmen, das die Formel 1 von Bernie Ecclestone übernommen hatte, sieht einen gesellschaftlichen Wandel als Grund und nach diesem geht es wohl in Zukunft besser (und vollständiger) bekleidet in der Formel 1 zu. Da es aber nicht ganz ohne begleitendes Personal geht, müssten nun die Kinder ran.

Der Ansicht der Führungsspitze widersprechen aber die Grid Girls selbst, die den Verlust ihres Jobs bedauern. Sie hätten nie Probleme mit sexuellen Anzüglichkeiten gehabt, hätten einfach den Spaß am Rennen, am Flirten und am rasanten Leben genossen. Ihrerseits gab es also keine Beschwerden, was es umso schwerer macht, den aktuellen Schritt der Formel 1 Spitze nachzuvollziehen. Außerdem bestand so für sie die Chance, eventuell bereits in der Richtung zu arbeiten, in die sie ohnehin wollten.

Nicht wenige Studentinnen waren als Grid Girls tätig und lernten hier den Sport von einer anderen Seite kennen, konnten hinter die Kulissen schauen und sich einen persönlichen Eindruck über Marketing und Personal verschaffen.

Video: Formel 1 schafft Grid Girls ab! Skandal oder zeitgemäß?

Verschiedene Stimmen, verschiedene Meinungen

Die Meinungen zu den Grid Kids gehen extrem auseinander, auch innerhalb der Formel 1 selbst. Marketingchef Sean Bratches sagt, dass den Kindern hier eine unvergessliche Erfahrung geboten würde, über die die nächste Generation der Formel 1 Fahrer angesprochen werden könnte.

Jean Todt von der Fia sieht die Formel 1 als Spitze des Rennsports und als erklärtes Ziel eines jeden Rennfahrers. Daher begrüßt er die Entscheidung für Grid Kids in der Formel 1, denn die Kinder könnten hierüber ihrem Traum ein bisschen näherkommen. Die zukünftigen Champions würden sich freuen, beim Start neben ihren ganz persönlichen Helden zu stehen.

Niki Lauda hingegen geht da pragmatischer vor und fragt ganz einfach, ob die Verantwortlichen einen Vogel hätten? Er provoziert damit zwar ganz klar, stellt sich aber auch hinter die Grid Girls, die sicherlich ebenso denken, ihre Gedanken aber für sich behalten.
Auch Bernie Ecclestone ist nicht ganz so diplomatisch wie manch anderer und äußert seine Meinung zu den Neuerungen von Liberty Media ganz offen. Er ist der Meinung, dass die Führung einen Fehler mache, denn die Mädchen gehörten einst zur Show dazu. Sie waren ein Teil des Glamours, den die Menschen liebten.

Ecclestone übt aber nicht nur Kritik an der Entscheidung gegen die Grid Girls, sondern fasst sein Urteil noch ein Stück weiter: Er ist der Meinung, Großbritannien werden derzeit prüde, daher müsste diese Entscheidung getroffen werden.

Bleibt abzuwarten, wie sich die Formel 1 weiter entwickeln wird und welche angeblich erfolgreichen neuen Ideen in Zukunft die Fahrer, die Teams sowie die Öffentlichkeit betreffen. (#02)

Bleibt abzuwarten, wie sich die Formel 1 weiter entwickeln wird und welche angeblich erfolgreichen neuen Ideen in Zukunft die Fahrer, die Teams sowie die Öffentlichkeit betreffen. (#02)

Auch die Fahrer melden sich zu Wort

Nico Rosberg und Timo Glock, ihres Zeichens nach frühere Stars der Formel 1 und heutige Experten für die Rennen bei RTL, konnten ebenfalls nicht an sich halten und müssten ihre Meinung kundtun. Allerdings sind sie durchaus von der Idee, die Kinder auf die Rennbahn zu schicken, begeistert. Anfangs fand Rosberg die Idee wohl „etwas komisch“, allerdings konnte er davon überzeugt werden, dass diese Variante gut sei, weil die Kinder eben die Fahrer vergöttern und damit ein Stück näher an ihre Idole herankommen. Rosberg sieht dahinter einen positiven Ansatz, denn die Kinder können eine festere Verbindung zum Rennsport erhalten und auch andere Kinder und Jugendliche begeistern.

Auch Glock habe „anfangs nur den Kopf geschüttelt“, als es hieß, dass die Grid Girls Geschichte seien. Doch dann war er von den Kindern überzeugt – auch wenn er sich selbst nur sehr ungern von den Damen verabschiedet. Glock hätte den Vorschlag, dass vielleicht Grid Girls und Grid Kids im Wechsel an den Start gehen, denn die Grid Girls sind einfach ein Bestandteil der Formel 1. Sie könnten nicht einfach verschwinden und müssten irgendwie erhalten bleiben. Warum dann keinen Wechsel pro Rennen vornehmen? Dass das Erlebnis für die Kinder einfach großartig ist, daran zweifelt Glock allerdings nicht.

Video: Formel 1 2018: Das ist alles neu! (Regeln & Co)

Noch mehr Neuerungen geplant

Doch Liberty Media will auch anderweitig neue Wege gehen und plant, nicht nur die Grid Girls wegfallen zu lassen, sondern auch weitere Neuerungen anzustreben. Chase Carey, Sean Bratches und Ross Brawn sind die Vordenker der neuen Formel 1, die ständig auf der Suche nach Verbesserungen sind, bisher aber noch nicht wirklich fündig wurden.

Fakt ist, dass die Königsklasse des Motorsports enorm an Reiz eingebüßt hat, die Gewinne sind in nicht unerheblichem Maße eingebrochen. Als noch Bernie Ecclestone die Formel 1 anführte, waren sie jedoch Jahr für Jahr gestiegen, teilweise um bis zu zehn Prozent. Nun macht sich ein wachsender Unmut in der Branche breit, die Gewinne sinken, die Kosten bleiben aber bestehen. Gleichzeitig ändern sich die Zuwendungen an die Teams, damit werden ihre Budgets kleiner. So sind nun nicht nur die Zuschauer von den fehlenden Grid Girls betroffen, sondern auch die Teams in finanzieller Hinsicht. Kein Wunder, dass Bratches erkannt hat, dass Neuerungen nötig sind.

Die Verluste müssen mit aller Kraft ausgeglichen werden, denn die Rennställe fangen bereits an zu jammern. Die Teams, die mit der aktuellen Situation nicht einverstanden sind, bekamen nun einen zinslosen Kredit angeboten, außerdem wurde ihnen eine Beteiligung an der FOM (Formel 1 Vermarktungsgesellschaft) offeriert.

Die Chefs der einzelnen Teams sind diesbezüglich aber wenig euphorisch und stehen den neuen Ideen der Liberty Media recht skeptisch gegenüber. Immerhin waren sie unter Ecclestone daran gewöhnt, dass ihre Gagen in regelmäßigen Abständen stiegen. Dass das nun ein Ende haben soll und sie stattdessen einen Kredit angeboten bekommen (auch wenn dieser zinslos ist), kann verständlicherweise nicht auf Gegenliebe treffen. Hinzu kommt der ständige Zickzack-Kurs der neuen Führung der Formel 1, denn die angeblich guten Ideen zur besseren Vermarktung und zu mehr Gewinneinnahmen sind bis jetzt noch nicht auf fruchtbaren Boden gefallen.

Bleibt abzuwarten, wie sich die Formel 1 weiter entwickeln wird und welche angeblich erfolgreichen neuen Ideen in Zukunft die Fahrer, die Teams sowie die Öffentlichkeit betreffen.


Bildnachweis:©Shutterstock-Titelbild: amophoto_au  -#01: Mark Umbrella -#02:  CHEN WS



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Über Marius Beilhammer

Marius Beilhammer, Jahrgang 1969, studierte Journalismus in Bamberg. Er schreibt bereits viele Jahre für technische Fachmagazine, außerdem als freier Autor zu verschiedensten Markt- und Businessthemen. Als fränkische Frohnatur findet er bei seiner Arbeit stets die Balance zwischen Leichtigkeit und umfassendem Know-how durch seine ausgeprägte Affinität zur Technik.

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