Mercedes Future Car: Was bringen die Fahrzeuge der Zukunft?

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Der Mercedes Future Car steht für neue Konzepte und Ideen für die Mobilität der Zukunft. Viele Details der Technik, die die Ingenieure für den Mercedes Future Car entwickelten, werden bereits bald auf den Straßen in Deutschland zu sehen sein.

Mercedes Future Car: verschiedene Konzeptfahrzeuge von Mercedes

Eine hohe Mobilität ist eines der wesentlichen Kennzeichen der modernen Gesellschaft. Die Menschen sind daran gewöhnt, dass sie die Orte in ihrer Umgebung schnell und komfortabel mit dem eigenen Auto aufsuchen können. Allerdings werden die Probleme, die dieses Mobilitätskonzept mit sich bringt, immer deutlicher. Auf der einen Seite stehen die negativen Folgen für Umwelt und Klima. Die schädlichen Abgase belasten die Luft insbesondere in den Städten. Auch der Ausstoß an Treibhausgasen ist beachtlich.

Die Emissionen führen dazu, dass das Klima immer wärmer wird. Auf der anderen Seite steht eine ständige Überlastung der Infrastruktur. Viele Autobahnen zeichnen sich durch ständige Staus aus. Noch schlimmer ist das Bild in den Innenstädten. Hier kommt es während des Berufsverkehrs häufig zu erheblichen Behinderungen. Ein Ausbau der Verkehrswege ist in diesem Bereich besonders schwierig, da kaum freie Flächen zur Verfügung stehen. Der Future Car von Mercedes soll eine Antwort auf diese Probleme bieten. Dabei stehen folgende Aspekte im Mittelpunkt:

  • Elektroantrieb
  • Autonomes Fahren
  • Konnektivität durch V2X
  • Automotive Cyber Security
  • Neuartige Mobilitätskonzepte

Elektrisch fahren ohne Emissionen

Eines der zentralen Verkehrsprobleme ist die daraus resultierende Luftverschmutzung in den Ballungszentren. Die Verbrennungsmotoren, mit denen bislang die meisten Autos ausgestattet sind, stellen eine der wesentlichen Ursachen hierfür dar. In zahlreichen Städten herrschen bereits Fahrverbote für Dieselfahrzeuge, die besonders viele Schadstoffe ausstoßen. Doch auch Autos mit Benzinmotor tragen zur Luftverschmutzung bei.

Um dieses Problem zu vermeiden, ist der Future Car elektrisch unterwegs. Daher erzeugt er keinerlei lokale Emissionen. Auf diese Weise wird die Luft in den Städten deutlich sauberer. Außerdem kann das Fahrzeug zum Klimaschutz beitragen. Während Autos mit Verbrennungsmotor fast immer auf fossile Brennstoffe angewiesen sind, die zahlreiche Treibhausgase freisetzen, besteht bei einem Elektroantrieb eine breite Auswahl hinsichtlich der Energiequellen. Wenn man sich hierbei für Ökostrom entscheidet, ist es möglich, das Auto klimaneutral zu betreiben.

Elektroautos gewinnen immer mehr an Bedeutung. (Foto:  shutterstock - Scharfsinn, #1)

Elektroautos gewinnen immer mehr an Bedeutung. (Foto: shutterstock – Scharfsinn, #1)

Autonome Fahrzeuge: Komfort und Sicherheit für den Mercedes Future Car

Eine intensive Forschungsarbeit findet auch im Bereich des autonomen Fahrens statt. Hierfür sind mehrere Gründe verantwortlich. Auf der einen Seite bieten autonome Fahrzeuge den Anwendern mehr Sicherheit und Komfort als bisherige Autos. Die digitalen Systeme sind dazu in der Lage, Gefahrensituationen zuverlässiger und vor allem schneller zu erkennen als ein menschlicher Fahrer.

Außerdem stellt es insbesondere auf langen Fahrten einen erheblichen Komfortgewinn dar, wenn man während dieser Zeit das Fahrzeug nicht selbst lenken muss. Auf der anderen Seite gibt es enorme wirtschaftliche Interessen daran, vollkommen autonome Autos zu produzieren. Für zahlreiche Dienstleistungen ist bislang ein Fahrer notwendig. Beispiele hierfür sind Taxis, der Gütertransport oder Paketzustellungen. Dessen Vergütung ist für den größten Teil der hierbei anfallenden Kosten verantwortlich. Autonome Fahrzeuge könnten diese Dienste daher deutlich günstiger gestalten. Vor diesem Hintergrund ist es wenig erstaunlich, dass gerade Uber Self Driving Cars hierbei eine Führungsrolle einnehmen. Doch auch Mercedes Benz leistet mit seinem Future Car einen wichtigen Beitrag zur Weiterentwicklung dieser Technik.

Effiziente und sichere Fahrzeuge durch eine hohe Konnektivität

Die futuristischen Autos von Mercedes verfügen außerdem über eine hohe Konnektivität und Kommunikationsfähigkeit. Diese ist in folgende Bereiche aufgeteilt:

  • V2V: Kommunikation zwischen den verschiedenen Verkehrsteilnehmern
  • V2I: Kommunikation mit Geräten der Straßeninfrastruktur
  • V2N: Kommunikation mit einem Netzwerk

Von besonderer Bedeutung ist hierbei die V2V Kommunikation, für die auch der Begriff Car2Car üblich ist. Diese trägt erheblich zur Sicherheit bei. Damit ist es möglich, Fahrzeuge bereits aus großer Entfernung zu erkennen. Auch besonders gefährdete Verkehrsteilnehmer wie Radfahrer oder Fußgänger könnten sich mit einem entsprechenden Sender ausstatten. Das könnte viele Unfälle verhindern. Es wäre sogar denkbar, dass das Auto mit dieser Technik ein gewöhnliches Smartphone erkennt. Das würde für einen sehr umfassenden Schutz sorgen.

Darüber hinaus kann die Kommunikation die Effizienz im Straßenverkehr erhöhen. Wenn ein Fahrzeug Informationen über Bremsvorgänge eines Autos, das sich nicht im Sichtbereich befindet, erhält oder wenn es bei einer intelligenten Ampel die Grünphasen abfragt, kann es seine Geschwindigkeit optimal anpassen. Das reduziert nicht nur den Energiebedarf. Darüber hinaus können so Staus verhindert werden.

Der neueste Future Car von Mercedes verwendet hierfür Cellular V2X. Hierbei handelt es sich um einen neuen Kommunikationsstandard, der die Übertragung noch zuverlässiger und schneller gestaltet. Vom besonderer Bedeutung sind dabei die sehr geringen Latenzzeiten. Daher kann das Auto besonders schnell auf die übermittelten Informationen reagieren. Das trägt zu einer besonders hohen Sicherheit bei.

Vernetzte Fahrzeuge bringen mehr Komfort und erhöhen die Sicherheit. (Foto: shutterstock - metamorworks, #2)

Vernetzte Fahrzeuge bringen mehr Komfort und erhöhen die Sicherheit. (Foto: shutterstock – metamorworks, #2)

Automotive Security: eine sichere Fahrzeugarchitektur entwerfen

Cyber-Attacken stellen eines der zentralen Probleme der digitalisierten Welt dar. Die Angreifer dringen in Computer, Smartphones und andere Systeme ein, um Unternehmensdaten zu entwenden oder um die Dateien zu verschlüsseln und ein Lösegeld für die Freigabe zu fordern. Die folgende Tabelle zeigt, dass dadurch jedes Jahr Milliardenschäden entstehen:

Finanzieller Schaden durch Cyber‑Kriminalität
in ausgewählten Ländern 2017 (in Mrd. US‑Dollar)
   
China 66,3
Brasilien 22,5
USA 19,4
Indien 18,5
Mexiko 7,7
Frankreich 7,1
Vereinigtes Königreich 6
Italien 4,1
Schweden 3,9
Indonesien 3,2
Deutschland 2,6
Japan 2,1
Quelle: Statista

Connected cars, die über das Mobilfunknetz kommunizieren, stellen ein weiteres mögliches Ziel für Cyber-Attackendar. Dieses könnte sehr lohnenswert sein. Wenn sich ein Angreifer durch ein CAN Bus Hacking Zugriff auf die Steuerung des Fahrzeugs verschafft, könnte er die Steuerung übernehmen und absichtlich Unfälle herbeiführen. Das bietet zudem viel Potenzial für Erpressungsversuche. Aus diesem Grund ist es sehr wichtig, die E/E-Architektur des Autos gegen Cyberangriffe zu sichern. Hierfür gibt es spezielle Automotive Security Standards wie etwa SAE J3061. Diese geben genaue Vorgaben dazu, wie die E/E Architektur gestaltet sein muss. Das Einhalten der Normen bei der Entwicklung der Fahrzeuge führt zu einer hohen Embedded Security, die das Automobil vor Angriffen schützt.

Carsharing Autosharing: Neue Mobilitätskonzepte für einen effizienteren Verkehr

Die Verwendung neuartiger Techniken stellt nicht die einzige Möglichkeit dar, um den Problemen, die der Individualverkehr der modernen Gesellschaft mit sich bringt, zu begegnen. Darüber hinaus ist es sinnvoll, sich ein neues Konzept für die Nutzung der Fahrzeuge zu überlegen. Meists ist das Automobil nur mit einer oder mit zwei Personen besetzt. Es würde jedoch in der Regel Platz für bis zu fünf Insassen bieten. Das zeigt, wie ineffizient die Nutzung ist.

Ein Konzept, um dieses Problem zu lösen, trägt die Bezeichnung Rideshare. Das bedeutet, dass nicht mehr eine einzelne Person das Auto nutzt. Anstatt dessen nimmt es mehrere Fahrgäste auf und befördert diese zu ihren jeweiligen Zielen. Das steigert die Auslastung und kann dadurch das Verkehrsaufkommen deutlich reduzieren. Dieses Konzept ist insbesondere für die großen Städte interessant. Die folgende Tabelle zeigt, dass die Bevölkerung der Städte weltweit in den letzten Jahrzehnten enorm angewachsen ist:

Stadt‑ und Landbevölkerung weltweit (in Mio.)
Jahr Landbevölkerung Stadtbevölkerung (ökon. entwickelte Staaten) Stadtbevölkerung (ökon. sich entwickelnde Staaten)
1950 1.779 444 302
2015 3.367 986 2.971
Quelle: BPB

Zum einen leiden die Städte besonders stark unter dem hohen Verkehrsaufkommen des Individualverkehrs. Auf diese Weise entstehen auf engem Raum große Mengen an Abgasen, die die Luft belasten. Außerdem ist die Verkehrsinfrastruktur hier ständig überlastet. Neue Straßen zu bauen, ist aufgrund der fehlenden verfügbaren Freiflächen jedoch beinahe unmöglich. Aus diesen Gründen ist es hierbei besonders wichtig, sich über neuartige Verkehrskonzepte Gedanken zu machen. Darüber hinaus ist in den Ballungsräumen ein Ansatz wie das Ridesharing besonders gut umsetzbar. Aufgrund der hohen Bevölkerungsdichte ist die Wahrscheinlichkeit, dass mehrere Menschen ähnliche Strecken zurücklegen, besonders hoch. Dadurch wird es einfacher, ein Auto zu teilen. Das erhöht die Effizienz und den Nutzen dieses Ansatzes deutlich.

Der Vision Urbanetic unterwegs in Las Vegas. (Foto: Mercedes-Benz)

Der Vision Urbanetic unterwegs in Las Vegas. (Foto: Mercedes-Benz)

Mercedes Future Car: der Vision Urbanetic

Ein aktuelles Konzeptfahrzeug von Mercedes ist der Vision Urbanetic. Dieser Future Car setzt alle angesprochenen Punkte um: Er ist autonom unterwegs, verfügt über einen Elektroantrieb, nutzt Cellular-V2X und außerdem ist er für eine geteilte Nutzung vorgesehen. Auf diese Weise präsentiert Daimler ein Fahrzeug, das eine Antwort auf viele drängende Fragen der Gesellschaft gibt. Es reduziert den Ressourcenbedarf und die Belastung der Verkehrswege. Außerdem setzt es innerhalb der Städte keinerlei Emissionen frei.

Mercedes präsentierte diesen futuristischen Wagen erstmals 2018 auf einer Autoausstellung in Kopenhagen. Mittlerweile folgten jedoch bereits einige weitere Präsentationen. Im Rahmen der CES in Las Vegas war der Future Car sogar bereits auf öffentlichen Straßen unterwegs. Das stellte eindrücklich seine Praxistauglichkeit unter Beweis. Darüber hinaus zeichnet sich der Vision Urbanetic noch durch eine weitere Besonderheit aus: Es ist möglich, ihn sowohl für den Güter- als auch für den Personentransport zu nutzen. Zu diesem Zweck ist er mit Wechselaufbauten ausgestattet. Diese lassen sich innerhalb weniger Minuten austauschen. Das erhöht die Anwendungsmöglichkeiten nochmals erheblich.

Um ein noch besseres Bild von diesem Future Car zu erhalten, bietet es sich an, das folgende Video anzuschauen. Dieses geht nicht nur auf die Technik des Fahrzeugs ein. Darüber hinaus stellt es vor, auf welchem Mobilitätskonzept der Vision Urbanetic beruht:

Mercedes F 015: ein weiteres Konzeptfahrzeug von Daimler

Ein weiteres Konzeptfahrzeug des Daimler-Konzerns ist der Mercedes F 015. Dieser ist bereits etwas älter. Seine Weltpremiere erfolgte 2015. Es ist sehr interessant, ihn mit dem Vision Urbanetic zu vergleichen, um festzustellen, welche Entwicklung in den letzten Jahren stattfand.

Der F 015 verwendet ebenfalls einen Elektroantrieb und außerdem ist er vollkommen autonom unterwegs. Der Fahrersitz ist schwenkbar, sodass er sich auch nach hinten drehen lässt. Das erlaubt es sogar, während der Fahrt im geräumigen Innenraum Meetings abzuhalten. So ist es möglich, die Fahrzeit effizient zu nutzen. Allerdings kann man das Auto auch selbst steuern.

Es verfügt über ein Lenkrad und über Pedale. Wenn der Besitzer Lust hat, kann er den Fahrspaß genießen, den dieser leistungsstarke Wagen bietet. Daran wird jedoch auch deutlich, dass der F 015 am herkömmlichen Verkehrskonzept ausgerichtet ist. Wenn eine Person das Fahrzeug steuert, dann handelt es sich dabei um den Halter oder eine von ihm autorisierte Person. Das zeigt, dass der Wagen für den Individualverkehr vorgesehen ist. Damit unterscheidet er sich deutlich vom Vision Urbanetic, der ein ganz neues Mobilitätskonzept verfolgt.

Auch für diesen Mercedes Future Car gibt es ein Video, das dessen Technik und Anwendungsbereiche anschaulich vorstellt:

Neue Ideen für den Verkehr der Zukunft

Die Modellstudien für den Future Car von Mercedes zeigen deutlich, dass in den nächsten Jahren erhebliche Veränderungen bei der Mobilität der Gesellschaft zu erwarten sind. Auf der einen Seite ist die Entwicklung neuartiger Techniken, die den Verkehr umweltfreundlicher, sicherer, komfortabler und effizienter gestalten, bereits weit fortgeschritten.

Diese Verbesserungen alleine reichen jedoch noch nicht aus, um das Problem der überlasteten Infrastruktur in den Städten zu lösen. Daher ist es wichtig, neue Konzepte zu entwickeln, die die Auslastung der einzelnen Fahrzeuge und damit die Effizienz der Nutzung erhöhen. Ob der Future Car jemals die Serienreife erreicht und den Verkehr in den Städten prägen wird, bleibt abzuwarten. Es ist jedoch davon auszugehen, dass viele der Techniken und Konzepte, die ihm zugrunde liegen, den Verkehr bereits in absehbarer Zukunft stark beeinflussen werden.


Bildnachweis: © Titelbild Mercedes-Benz, shutterstock – #1 Scharfsinn, #2 metamorworks

Über Marius Beilhammer

Marius Beilhammer

Marius Beilhammer, Jahrgang 1969, studierte Journalismus in Bamberg. Er schreibt bereits viele Jahre für technische Fachmagazine, außerdem als freier Autor zu verschiedensten Markt- und Businessthemen. Als fränkische Frohnatur findet er bei seiner Arbeit stets die Balance zwischen Leichtigkeit und umfassendem Know-how durch seine ausgeprägte Affinität zur Technik.

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