auto motor und sport: Porsche rechnet mit "deutlichem" Absatzeinbruch

04.12.2008 | Stuttgart
aus Heft 26/2008, Erscheinungstag: 4. Dezember 2008

Porsche rechnet mit "deutlichem" Absatzeinbruch

US-Produktion des Cayenne im VW-Werk denkbar - Probleme in China

Stuttgart. Porsche stellt sich im laufenden Geschäftsjahr darauf ein, den Absatz des Vorjahres "deutlich" zu unterschreiten. "Porsche kann sich von dieser Entwicklung nicht einfach abkoppeln. Deshalb gehen wir davon aus, dass unser Absatz im laufenden Geschäftsjahr, das am 31. Juli 2009 endet, deutlich unter dem Rekordwert des Vorjahres, in dem wir 98.652 Fahrzeuge verkaufen konnten, bleiben wird", sagte Vertriebsvorstand Klaus Berning gegenüber auto motor und sport. Eine "seriöse Prognose" sei derzeit nicht möglich. "Wir fahren heute auf Sicht. Im Vorstand wird alle 14 Tage die aktuelle Nachfragesituation analysiert, und daran passen wir dann die Produktion an." In Zuffenhausen liege die Tagesstückzahl aktuell bei 160 Einheiten "Bei zehn produktionsfreien Tagen kommen wir also auf 1.600 Fahrzeuge", so Berning. "In Leipzig fertigen wir täglich 200 Cayenne-Fahrzeuge und bei Valmet in Uusikaupunki laufen jeden Tag rund 100 Fahrzeuge vom Typ Boxster und Cayman vom Band. Unser finnischer Auftragsfertiger gibt uns die Möglichkeit, zu atmen und Nachfrageschwankungen flexibel auszugleichen, damit unser Stammwerk in Zuffenhausen stets unter voller Auslastung fahren kann."

Eine Absatzsteigerung über Preisnachlässe lehnt Berning ab. "Es wird bei Porsche auch in Zukunft weder Preissenkungen noch werksseitige Rabatte geben. Wir wollen unser auf langfristige Ziele ausgerichtetes Geschäftsmodell nicht durch einen kurzsichtigen Preis-Aktionismus gefährden." Die weltweit 670 Porsche-Händler erwirtschaften trotz der Krise Gewinne. Berning: "Ich kann mir nicht vorstellen, dass ein Porsche-Händler wegen der rückläufigen Nachfrage in die Insolvenz schlittert. Unsere weltweite Händlerorganisation hat über Jahre hinweg überdurchschnittlich gut verdient. Und die Betriebe arbeiten weiterhin profitabel, auch in den USA. Wir garantieren unseren Händlern weiter eine Absatzfinanzierung und überlegen, ob wir die Händlerfinanzierung ausbauen." Verschieben will Berning indes Investitionen in weitere konzerneigene Niederlassungen: "Angesichts der drohenden Rezession der Weltwirtschaft versuchen wir, soviel Liquidität wie möglich im Konzern zu lassen. Für mein Ressort bedeutet das, dass wir gegenwärtig keine neuen, kostenträchtigen Großprojekte in Angriff nehmen."

Trotz des Markteinbruchs in den USA wird Nordamerika mit fast 40 Prozent des Absatzes der größte Porsche-Markt bleiben. "Nordamerika ist der wichtigste Absatzmarkt für Porsche und wird es auf längere Sicht sicher bleiben." Dennoch wolle Porsche dort keine eigene Produktion aufbauen. "Wir sind gegenüber dem US-Dollar bis 2013 abgesichert. Außerdem macht es bei den vergleichsweise geringen Stückzahlen absolut keinen Sinn, die Produktion der einzelnen Baureihen auf mehrere Standorte zu verteilen." Denkbar sei allerdings, den Cayenne im künftigen VW-Werk in den USA zu produzieren. "Sollte der VW-Konzern die Schwestermodelle VW Touareg und Audi Q7 mit der entsprechenden Lieferantentiefe in den USA produzieren, dann könnte man sich das vielleicht theoretisch vorstellen. Aber diese Frage stellt sich heute nicht." Für den Schwellenmarkt China befürchtet Berning Einbußen. "In China wurde kürzlich eine neue Steuer eingeführt, die unsere Kunden hart trifft. Für den Kauf eines Cayenne werden jetzt umgerechnet 10.000 Euro zusätzliche Steuern fällig, beim Cayenne S sind es 30.000 und beim Turbo 60.000 Euro. Das macht das Geschäft in China nicht leichter."

Demant: "Wir wollen 750 Mio. Dollar sparen"

Opel-Chef schließt Personalabbau und Werksschließungen aus - Verspätung des Meriva denkbar - Offen für Einstieg der Händler

Rüsselsheim. Opel-Chef Hans Demant will die Kosten des Autobauers um 750 Millionen US-Dollar senken und erwägt dazu neben Arbeitszeitmodellen auch die Verschiebung neuer Modelle. "Wir wollen 750 Millionen Dollar einsparen. Mit Insourcing-Programmen und entsprechenden Arbeitszeitmodellen gibt es einige Möglichkeiten", sagte Demant gegenüber auto motor und sport. Dies reiche aber nicht aus. "Wir müssen uns Gedanken machen, ob das eine oder andere Modell um einige Monate verschoben wird. Wir prüfen auch, welche von Zulieferern geleisteten Entwicklungsarbeiten inhouse übernommen werden können." Nach Informationen von auto motor und sport könnte dem Nachfolger des Meriva eine verspätete Markteinführung drohen. Grund: Beim Meriva, dessen Marktstart ursprünglich für Anfang 2010 geplant war, sollte Zulieferer EDAG das "Flex-Door-Türkonzept" entwickeln. Wird es stattdessen Opel-intern entwickelt, könnte der Konzern zwar Kosten sparen; allerdings droht damit ein Zeitverzug.

Demant hofft, dass diese Einsparungen ausreichen, um weitere Einschnitte zu verhindern: "Wir gehen derzeit davon aus, keine Werke zu schließen oder Personalanpassungen vornehmen zu müssen", bekräftigt Demant. Allerdings müsse Opel weiterhin seine Produktion dem zurückgehenden Absatz anpassen. "Wir korrigieren seit Oktober die Produktion hinsichtlich der Marktsituation. Wir produzieren nicht auf Lager. Bis Januar werden wir unsere Produktion um 59.000 Autos zurückgefahren haben. Und wir arbeiten momentan mit der Arbeitnehmerseite daran, wie wir im nächsten Jahr flexibel auf die Marktbedingungen reagieren können."

Offen zeigt sich der Opel-Chef für Pläne, dass sich Opel-Händler an dem Hersteller beteiligen könnten, während er nichts vom Übernahme-Angebot des Bonner Solarkonzerns Solarworld hält. "Solarworld war wohl mehr ein PR-Thema. Bei den Händlern ist es anders. Mit ihnen haben wir schon oft über eine Beteiligung gesprochen. Wenn sie als Investor auftreten, dann sichern sie auch ihre Zukunft. Aber die Händler können natürlich keinen Hersteller übernehmen."

Demant äußerte sich im Interview mit auto motor und sport auch dazu, warum Opel um eine Bürgschaft der Bundesregierung bittet: "Wir haben Liquidität bis ins nächste Jahr. Die wesentliche Frage ist aber: Was passiert mit GM in den USA? Wir hängen an einem gemeinsamen Cash-Pooling, zu dem wir Zugriff haben für unsere Investitionen. Beispielsweise für den neuen Astra, dessen Produktionseinrichtungen nächstes Jahr gezahlt werden müssen." Wenn GM in die Insolvenz ginge, bestünde die Gefahr, dass für Opel der Geldfluss versiege. "Opel ist ein singulärer Fall. Die Adam Opel GmbH verfügt über kein eigenes Kreditrating und kann deshalb ohne Bürgschaft nicht am Kreditmarkt tätig werden." Auch könne Opel nicht "am geplanten Programm der Europäischen Investitionsbank teilnehmen, das den anderen Herstellern zur Verfügung steht."

Reithofer: Absatz von 1,8 Mio. Fahrzeugen im Visier

BMW-Chef: Weltmarkt schrumpft 2009 um 10 % - Weitere Personal- und Produktionskürzung

denkbar - Rettungsplan für Zulieferer in Planung

München. Trotz eines schrumpfenden Autoabsatzes im nächsten Jahr hält BMW-Chef Norbert Reithofer an seinem Ziel fest, den BMW-Absatz bis 2012 von 1,5 auf 1,8 Millionen Fahrzeuge zu erhöhen. Dem Magazin auto motor und sport sagte Reithofer: "Ja, wir streben dieses Ziel trotz der schwierigen Rahmenbedingungen weiterhin an. Dazu werden auch attraktive neue Produkte wie der BMW X1 beitragen, der im kommenden Jahr auf den Markt kommt." Für das nächste Jahr erwartet Reithofer allerdings weltweit Einbußen. "2009 wird ein schwieriges Jahr für die Automobilindustrie. Wir haben mehrere Studien erstellen lassen, die im ersten Halbjahr weltweit von einem Rückgang des Gesamtmarktes um zehn Prozent ausgehen", so Reithofer. "Gespräche mit unseren Händlern ergeben ein ähnliches Bild. In der zweiten Jahreshälfte können wir dann auf eine allmähliche Erholung hoffen."

Für diese Übergangsphase schließt Reithofer nicht aus, die Produktion weiter zu drosseln: "Die BMW Group hat auf die allgemeine Kaufzurückhaltung frühzeitig reagiert. So lag die Produktion im dritten Quartal 2008 bereits deutlich unter den Auslieferungen. Unser Ziel ist es, die Lagerbestände der Händler und des Konzerns zu bereinigen. In den kommenden Monaten sehen wir uns die Marktentwicklung genau an und entscheiden dann, wie wir weiter vorgehen." Auch eine weitere Kürzung beim Personal schließt Reithofer nicht aus: "Dazu gibt es derzeit keine Beschlüsse. Wir werden das Ziel von 8.100 Stellen - davon 3.100 festangestellte Mitarbeiter und etwa 5.000 Zeitarbeitskräfte - bis Ende des Jahres wie angekündigt erreichen. Wenn nötig, werden wir angesichts der schwierigen Marktsituation die Zahl der Zeitarbeitskräfte weiter reduzieren. Ob sich am Ende des Jahres die Zahl der Stellen bei den Zeitarbeitskräften bei genau 5.000 oder etwas darüber liegen wird, lässt sich heute im Detail noch nicht vorhersagen. Wir werden wohl irgendwo zwischen 5.000 und 5.500 herauskommen."

Bei dem Sparprogramm, mit dem BMW sechs Milliarden Euro einsparen will, um die Umsatzrendite bis 2012 auf acht bis zehn Prozent zu steigern, liege der Konzern voll im Plan. "Ja, wir haben im Rahmen unserer Strategie Number ONE bereits ein Bündel von Maßnahmen auf den Weg gebracht, um unsere Ziele zu erreichen. Das Unternehmen wird die Produktivität auch künftig um fünf bis acht Prozent pro Jahr steigern."

Deutliche Kritik äußerte der BMW-Chef an Banken, deren Bereitschaft zur Vergabe von Krediten an die Autoindustrie und vor allem an Zulieferer stark zurückgegangen ist. "Die Kapitalmärkte beziehungsweise die Versorgung der Realwirtschaft mit Kapital funktionieren bei weitem nicht normal. Wichtig ist auch, dass die Zulieferfirmen liquide gehalten werden. Es war in der Vergangenheit bereits immer so, dass die deutschen Autohersteller den einen oder anderen Zulieferer aufgefangen haben, der in Schieflage geraten ist. Wenn sich deren Zahl jedoch stark erhöht, müssen auch andere helfen." Reithofer bestätigt, dass auch andere Autohersteller offenbar bereit sind, über den VDA finanzielle Hilfen für Zulieferer aufzulegen. "Ja, es gibt Gespräche unter der Leitung des VDA", so Reithofer.

Quelle: Pressemeldung Motor Presse Stuttgart GmbH & Co. KG

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