Klein ist jetzt fein: Abwrackprämie wälzt den deutschen Automobilmarkt um
Die Prognosen für das Gesamtjahr 2009 gehen aufgrund der guten Auftragslage bereits von einem Überschreiten der 3,5 bis 3,7 Millionen-Grenze aus.
Von der staatlichen Subvention profitieren vor allem die Segmente Mini und Kleinwagen, die ihren Absatz im Vergleich zum Vorjahr glatt verdoppeln können. Damit avancieren Kleinwagen mit einem Marktanteil von insgesamt 26 Prozent im Zeitraum von Januar bis Juni erstmals zum größten Pkw-Segment in Deutschland. Die Kompaktklasse verbucht zwar auch steigende Zulassungszahlen, kommt aber wegen des Absatzrekords bei den Kleinwagen auf einen Marktanteil von nur 25 Prozent. "Kleinwagen treffen den Nerv der Zeit", begründet Markus Eiberger, als Leiter Research & Services bei der Motor Presse Stuttgart für die Studie "Autofahren in Deutschland 2009" verantwortlich. "Sie können sich in Technik und Ausstattung durchaus mit höheren Fahrzeugklassen messen und sind dank der Abwrackprämie zu besonders günstigen Konditionen zu haben", so Eiberger weiter.
Vor allem private Neuwagenkäufer befördern den Zulassungs-Boom: Im ersten Halbjahr 2009 waren es 86 Prozent mehr Neuanmeldungen als im Vorjahreszeitraum. Die Marken VW, Fiat, Ford, Opel und Skoda profitieren bei den Stückzahlen am stärksten von der Abwrackprämie, die größten prozentualen Zuwächse registrieren die Marken Lada, Hyundai, Alfa Romeo, Fiat und Suzuki. Die Premium-Marken können nicht spürbar von der staatlichen Unterstützung der Autokäufer profitieren. BMW und Mercedes leiden vor allem unter einem Einbruch der gewerblichen Nachfrage, die im ersten Halbjahr um 20 Prozent oder knapp 185.000 Einheiten unter Vorjahr lag. Das trifft vor allem Modelle der Luxus- und Oberklasse, die zu knapp
90 bzw. 75 Prozent von Firmen geleast oder gekauft werden. Die Quote von 56 Prozent gewerbliche Zulassungen im Gesamtjahr 2008 ist in den ersten sechs Monaten 2009 auf 36 Prozent abgestürzt.
Es droht jedoch die Gefahr, dass nach der großen Abwrack-Party 2009 auf dem gesamten deutschen Automarkt eine massive Katerstimmung einziehen wird. Weil die Abwrackprämie eindeutig Vorzieheffekte ausgelöst hat, befürchten Experten für 2010, dass die Inlandsnachfrage einbricht, einhergehend mit Preis- und Margenverfall. Nur wenn der Exportmotor wieder anspringt, könnte dieser Effekt ausgeglichen werden.
Eine Konstante im turbulenten Automarkt ist das Interesse an alternativen, umweltfreundlichen Antrieben, das sich konkret in einer höheren Nachfrage niederschlägt: Im ersten Halbjahr 2009 wurden 22 Prozent mehr Zulassungen generiert als im Vergleichszeitraum 2008. Gewinner sind Erdgasfahrzeuge, die um über 37 Prozent zulegten. "Die Gründe sind neben dem Benzinpreisschock 2008 auch ein schleichender Werte-wandel der Bevölkerung: Das Thema Umwelt ist den Menschen inzwischen eine Herzensangelegenheit", analysiert Studienleiter Eiberger. So hat die Sensibilität für die Problematik mit dem CO2-Ausstoß in der Bevölkerung nachweisbar stark zugenommen. Eine große Umfrage der Motor Presse Stuttgart hatte 2007 ergeben, dass nur fünf Prozent der deutschen Autofahrer sicher wussten, wie viel CO2 ihr Fahrzeug ausstößt, 17 Prozent glaubten es "ungefähr" zu wissen. Die aktuelle Gemeinschaftsumfrage "Autofahrer-Barometer Sommer 2009" der Motor Presse-Zeitschriften auto motor und sport und AUTOStraßenverkehr mit der Deutschen Automobil Treuhand GmbH (DAT Deutschland) misst deutlich höhere Werte: 28 Prozent der besonders Automobil-Interessierten gaben an, diesen Wert "sicher" zu kennen, weitere 44 Prozent "in etwa". "Selbst wenn diese Ergebnisse nicht direkt vergleichbar sind, ist der Trend eindeutig", urteilt Markus Eiberger.
Umweltbewusstsein und die Faszination am Automobil müssen nicht mehr im Widerspruch zueinander stehen. 97 Prozent der Befragten des "Automobil-Barometers" stimmen dem Statement "Ich finde es gut, dass Autos immer umweltfreundlicher werden" zu. Das Grundbedürfnis nach Mobilität bleibt aber unverändert bestehen und wächst sogar weiter. Denn 94 Prozent der Befragten sagen: "Ich will auch weiterhin Spaß haben am Autofahren". "Der Kunde von morgen sucht eine intelligente Balance aus Rationalität und Faszination, Nachhaltigkeit und Vergnügen, Konsum und sozialer Verantwortung", glaubt Studienleiter Eiberger. Der Fahrer wolle mit seinem Fahrzeug das kollektive Gewissen und gleichzeitig seine individuellen Bedürfnisse befriedigen. Der pure Luxus zu reinen Präsentations- oder Prestigezwecken verliere dagegen zunehmend an Boden.
Die Studie "Autofahren in Deutschland 2009" analysiert auf 256 Seiten umfassend Deutschlands wichtigste Wirtschaftsbranche mit vielen harten Daten und Fakten zum Pkw-Bestand, zum Neu- und Gebrauchtwagenmarkt, zu Trends und Strukturen in Automobilindustrie und Handel und bietet ein umfangreiches Kapitel zur Meinungsbildung und Mediennutzung automobiler Zielgruppen.
Quelle: Pressemeldung Motor Presse Stuttgart GmbH & Co. KG
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